Bundesweites Zentralabitur?

Schavan fordert bundesweites Zentralabitur
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat ein deutschlandweites Zentralabitur gefordert. Dies würde «das eklatante Bildungsgefälle in Deutschland beheben helfen», sagte sie dem Magazin «Cicero».
«Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder - egal ob sie in Potsdam, Frankfurt oder Stuttgart zur Schule gehen - gleich gute Bildung bekommen.» Die Länder könnten bei der Ausgestaltung der Ausbildung deutliche Freiheiten behalten.

Aus Sicht der Bundesministerin gibt es aber ein Nord-Süd-Gefälle beim Abitur, das dauerhaft nicht akzeptabel ist. «Das macht Eltern zu Recht nervös.» Im internationalen Bildungswettbewerb müsse Deutschland die föderale Bildungspolitik überdenken und neue Wege beschreiten. Schavan sagte: «Wir brauchen einen modernen, souverän agierenden Föderalismus.» Bei der 2006 verabschiedeten Föderalismusreform I war Schavan noch für die deutliche Stärkung der Länderkompetenzen in der Bildungspolitik eingetreten.

Die CSU warnte davor, die Föderalismusreform zurückzudrehen. «Wir sollten die Chancen für alle Schüler in ganz Deutschland verbessern, statt Niveauangleichung ans Mittelmaß zu betreiben», sagte die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär. «Wir haben in Bayern vorgemacht, wie man mit einem guten Bildungssystem exzellente Ergebnisse bei PISA und anderen Vergleichstests erreicht.»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte Schavans Forderung «als haarscharf an den zentralen Problemen vorbei». Die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer sagte: «Ein deutschlandweites Zentralabitur ist die geringste Sorge von Eltern.» Sie sorgten sich vielmehr darum, dass ihre Kinder in der Grundschule keine Gymnasialempfehlung bekämen und auch an Gesamtschulen nicht angenommen würden, weil konservative Landesregierungen den Ausbau verweigerten.

Zudem lasse sich «die leistungssteigernde Wirkung zentraler Prüfungen wie auch ein Nord-Süd-Gefälle beim Abitur wissenschaftlich nicht belegen», sagte Demmer weiter. Auch blieben bei der Debatte negative Wirkungen unberücksichtigt. Bei einem Zentralabitur würden im letzten Schuljahr oft Wissen und Fähigkeiten, die für das Studium notwendig seien, nicht mehr vertieft, «sondern alle Lernzeit in die zentral geprüften Fächer investiert».

Statt das deutschlandweite Zentralabitur «wieder aus dem Winterschlaf zu holen», müsse sich die Union und auch die CDU-Vize und Bundesbildungsministerin «eher der Frage stellen, wie ein wohnortnahes Schulangebot bereitgestellt werden kann, das ohne Selektion nach der Grundschule alle Bildungswege bis zum Abitur offen hält», forderte Demmer.

Eine erste Übersicht über das diesjährige Anmeldeverfahren nach der vierten Grundschulklasse belege, dass sich die Eltern weiter von Hauptschulen abwendeten. Die Realschulen stagnierten. «Die Eltern wollen Schulen mit direktem Weg zum Abitur», sagte Demmer. In Bundesländern mit integrierten Schulformen meldeten mehr als 60 Prozent der Eltern ihre Kinder an Gymnasien, Gesamtschulen oder Gemeinschaftsschulen an. In Hamburg seien dies sogar über 80 Prozent. In Nordrhein-Westfalen müssten 30 Prozent der Anmeldungen an Gesamtschulen wegen fehlender Plätze abgewiesen werden.

[SIZE=„1“]Quelle: dpa[/SIZE]

Ich finde ein bundesweites Zentralabitur nicht schlecht, wenn es auch eine einheitliche, bundesweite, Schulreform geben würde. Schule kann und darf nicht weiterhin Ländersache sein. Ich bin für eine einheitliche bundesweite Regelung.

Wie ist eure Meinung dazu?

Viele Grüsse

Kirsten

Bevor unsere Bundesbildungsministerin ein bundesweites Zentralabitur fordert, hätte sie mal darüber nachdenken sollen, was mit dem Abitur eigentlich bescheinigt wird. Mit dem Abiturzeugnis wird dem Schüler schlicht und einfach bestätigt, daß er befähigt ist, ein Studium aufzunehmen. Um das einen Schüler bestätigen zu können, braucht es weder ein bundesweites noch ein landesweites Zentralabitur. Lehrer bzw. die Fachlehrer der betreffenden Schüler können am besten die Leistungen eines Schülers beurteilen, da sie sie über viele Jahre kennengelernt haben. Und selbst wenn es eines Tages zu einem bundesweiten Zentralabitur kommen sollte, was wäre eigentlich damit gewonnen?

Bernd

Ein einheitlicher Standard - zur Zeit sind Schulen und deren Abschlüsse unterschiedlich schwer oder leicht zu erreichen. Zum Beispiel entspricht ein 1er Abitur in Bayern nicht einem in Bremen.
Daran sollte gearbeitet werden, allerdings sehen die Länderministerien unterschiedliche Ziele vor - die einen wollen viel Masse, die anderen setzen mehr auf Klasse…Die Wahrheit liegt, wie so häufig im Leben, irgendwo dazwischen.

RREbi

Was letztendlich auf eine Nivilierung (nach unten) hinaus läuft.

Bernd

naja - dann wäre es auch Zeit für Tests (vergl. mit SAT oder ACT). Dann bräuchte man auch keinen NC in der jetzigen Form, weil dann nur das Abschneiden dieses Tests zählt…
(ganz ernsthaft - vllt wäre das bei bestimmten Studienfächern wirklich sinnvol…)

Wir sollten in die Bildungspolitk gehen ;).

Viele Grüsse

Kirsten

Ich finde die Idee nicht schlecht " sind ja wieder bald Wahlen"… dann gäbe es nicht so eine Panne, wie letztes Jahr in Berlin, wo beim MSA die Matheprüfung 2x geschrieben wurde… böse Panne :D:D:D

Gruss Nicole

Dieses Jahr müssen sie in Hessen das Zentrabitur in Mathe nochmal schreiben, weil es in der ersten ABI Klausur unlösbare Aufgaben gab.

Hmmm, welche Partei spannen wir dafür vor den Karren ;)?

Viele Grüsse

Kirsten

Bei uns waren die Ergebnisse der 1. Matheprüfung im Internet - vor der Prüfung- :smiley:
Liegt Berlin in Deutschland… :eek:…??

Viele Grüsse Nicole

Hessen konnte sich doch nicht entscheiden mal rot mal schwarz mal garnicht… :rolleyes:

Deshalb können wir keinen vor den Karren spannen… :confused:

Viele Grüsse Nicole :slight_smile:

Natürlich will Schavan ein Zentralabitur. Warum? Weil man dann auch wieder eine größere Chancengleichheit für Schulabgänger aus Bundesländern mit anspruchsvollerem Gymnasialunterricht schafft und einheitliche Lehrpläne erzwingt. Wie schon erwähnt, ist zur Zeit ein 1.0 Schnitt in Bayern oder BaWü nicht mit einer 1.0 in Bremen zu vergleichen. Die ZVS interessiert das aber nur am Rande mit minimalen Boni bei der Studienplatzvergabe. Innerhalb der Länder ist die Ungerechtigkeit genauso groß. Da werden als politische Prestigeprojekte Schulen mit Kuschelnoten gefördert, obwohl die Anforderungen dort viel geringer sind als auf den klassischen Gymnasien, die ja auch keine Integrationsleistungen vollbringen müssen. Stichwort Wirtschafts- und Fachgymnasien, die Auffangbecken für Realschüler, am Gymnasium Gescheiterte und – forumsrelevant- ehemalige Austauschschüler. Ich erlebe gerade hautnah, dass Schüler, die in der Oberstufe gewechselt haben, sich dort bei wesentlich geringerem Arbeitsaufwand um eine ganze Schulnote verbessert haben. Natürlich wirkt Erfolg auch motivationsfördernd, aber es allein darauf zu schieben, trifft die Sache nicht. Ein bundesweites Zentralabitur würde auch diese Schulen zwingen, die Ansprüche anzugleichen und ihre geschützten Nischen aufzugeben. Ein Stück Gerechtigkeit vor dem Hintergrund des ZVS-Rankings und eine Aufwertung der „normalen“ Gymnasien.

sind für dich also Fachgymnasien (berufliche Gymnasien?) die schlechteren Schulen, die den Namen “Gymnasium” nicht verdient hätten?

–> zumindest ich brauch mich da glaub ich nicht angesprochen fühlen… War zwar auf nem berufl. Gymn. aber in Hessen bei Zentralabitur - also bin ich vergleichbar mit “richtigen Gymnasiasten” :smiley:

Nicht unbedingt. Es kommt darauf an, was die jeweiligen Länder wollen - Klasse oder Masse, entweder machen z.B. 20 % eines Jahrganges Abi oder eben 50% eines Jahrganges.

RREbi

Wobei man natürlich die Frage stellen muß, in welche Richtung niviliert werden soll: in Richtung Bayern oder in Richtung Bremen. Bei der ganzen Diskussion um bundesweites und/oder landesweites Zentralabitur wird leider oftmals vergessen, daß die Noten in der Abiturprüfung (mündlich/schriftlich) zwar ein wichtiger Bestandteil der Gesamtnote ist, aber sie nicht alleine darüber entscheiden, ob der Schüler das Abitur bekommt oder nicht. Wer in der Oberstufe keine ausreichenden Leistungen gebracht hat, dem wird i.d.R. auch eine gute Abiturprüfung nicht zum Reifezeugnis verhelfen wie auch umgekehrt.

Voraussetzung für ein bundesweites Zentralabitur ist eine Vereinheitlichung aller Lehrpläne und zwar spätestens ab Eintritt in das Gymnasium, d.h. alle Schüler müssen diegleichen Bedingungen haben, um überhaupt eine Vergleichbarkeit zu erreichen. Aber man braucht kein Prophet zu sein, um zu der Erkenntnis zu kommen, daß in den nächsten Jahren die Kultusminister zu keiner Einigung gelangen werden.

Bernd

Nein, natürlich nicht generell. Ich habe schon geahnt, dass du darauf reagieren würdest;). Ich berichte von persönlichen Erfahrungen, die ich sicherlich unzulässig verallgemeinert habe.

@melaber: Ich würde mir natürlich wünschen, dass in Richtung Bayern nivelliert würde, denn wer will schon eine weitere Verflachung in der Schulbildung? Aber wie du schon sagst, ganz wichtig: Ab der Orientierungsstufe mit einheitlichen Lehrplänen. Wer in den Schulbuchverlagen herumstöbert, stellt auch dort erhebliche Länderunterschiede fest. Es gibt für manche Bundesländer richtig tolle Bücher, ich glaube mich zum Beispiel zu erinnern, dass es hier auch wieder Bayern war im Fach Chemie, wo ich mich fragte, warum das nicht auch in Schleswig-Holstein verwendet wird.

Zum jetzt eingeführten Länder-Zentralabi in manchen Fächern kann ich wieder nur eine persönliche Erfahrung wiedergeben, dass an der Schule meiner älteren Tochter die ganze Mittelstufe mit wenigen Ausnahmen ein niveauloses Chaos war, für die man offenbar die unfähigsten Lehrer bereitgestellt hat. Mit Beginn der Oberstufe wurde dann aus Panik vor dem neu eingeführten Zentralabi derart angezogen, dass die bis dahin Mitgeschleppten, die sich dem neuen Tempo nicht schnell genug anpassen konnten, gnadenlos ausgesiebt wurden. Das kann es aber auch nicht sein und ist für die Betroffenen eigentlich unzumutbar. Denn über die Jahre hatte sich bei fast allen eine derart schlechte Arbeitshaltung eingespielt, dass viele den Absprung nicht schafften. Wenn also auf das Zentralabi hingearbeitet wird, dann muss das in der Tat kontinuierlich von der 5. Klasse an geschehen und nicht erst in der Oberstufe.

Ich kann mir auch vorstellen, daß die Schulbuchverlage an einem Zentralabitur aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse haben. 16 Bundesländer mit 16 verschieden Lehrplänen (eigentlich sind es sogar noch viel mehr) und damit verbunden 16 verschiedene Buchtitel pro Jahrgangsstufe sorgen schon für einen gewaltigen Umsatz für die Verlage. Wer will schon freiwillig darauf verzichten. Bei der Einführung des Zentralabiturs müsste der Schulbuchmarkt neu aufgeteilt werden oder anders ausgedrückt: möglicherweise wären einige Verlage überflüssig. Und die Frage warum ein gutes Schulbuch in Bayern aber nicht in Schleswig-Holstein benutzt wird, läßt sich so beantworten:

a) das Kultusministerium in Schleswig-Holstein kennt das Buch nicht (das wäre schade, aber es sind auch nur Menschen)
b) das Kultusministerium kennt zwar das Buch, aber es passt nicht zum Lehrplan
c) das Kultusministerium kennt zwar das Buch, aber es ist in der Anschaffung zu teuer
d) das Kultusministerium hat langfristige Verträge mit anderen Schulbuchverlagen zu Sonderkonditionen
e) das Kultusministerium hat Zweifel an der Qualität des Buches u.v.m.

Es ist am Besten man läßt alles so wie es ist, und die Länder täten gut daran, sich so wenig in den Schulalltag einzumischen wie nur möglich. Sie sollen dafür sorgen, daß (hoch-) qualifizierte Lehrer ausgebildet werden und daß die schulische Infrastruktur einwandfrei ist. Damit haben die Länder genug zu tun und alles andere sollen sie den unmittelbar Beteiligten überlassen, die können das viel besser als es jemals eine staatliche Behörde tun könnte.

Bernd

Haha, es gibt nur einen Grund, warum Schleswig-Holstein das oder die Bücher nicht hat:
Es ist kein Geld dafür da :(. Die Schulen haben teilweise noch sehr veraltete Bücher. Es wurde grade erst dafür demonstriert :(.

Viele Grüsse

Kirsten

Hallo Kirsten!!
Wir müssen die Bücher und Arbeitshefte ( die nie gebraucht werden) bezahlen … jedes Jahr ca. 95 Euro … bekommt ihr die Bücher von der Schule? :wink:
Viele Grüsse Nicole

Die Bücher ja, Arbeitshefte (Workbooks) und evtl. Lektüren nicht, die müssen wir selber kaufen.

Viele Grüsse

Kirsten

Habt ihr das gut… wir kaufen die Bücher und die Lehrer und Schüler arbeiten nicht damit :mad:, wir müssen die Wirtschaft in Berlin ankurbeln… :D…
Viele Grüsse Nicole