Problem mit Gastkind

Hallo ihr Lieben,
nachdem meine Tochter in Uruguay sooo glücklich ist, haben wir mit unserer Gasttochter hier sehr große Probleme. Da sie unsere 1. Austauscherfahrung ist, frage ich mich natürlich, ob vllt. wir etwas falsch empfinden… wir bekamen als Familie mit Tieren eine ATS, die Angst vor Katzen und Meerschweinchen hat, was natürlich im täglichen Leben Probleme bereitet ( wir haben beides und nun z.B. Erfahrungen wie vor 2 Tagen nachts - hol die Katze aus meinem Zimmer ), sie ist sehr introvertiert (wir eher extrovertiert mit häufigem Besuch) sie mag nicht gern spazierengehen und hat Angst im Wald (wir lieben es). Sie hat uns auch über ihre Probleme im Heimatland erzählt, die wohl auch versuchsweise therapiert wurden. Bei anderen Freizeitangeboten (z.B. Infa = Messe mit Weihnachtshalle oder Einkaufen oder in die Stadt gehen) schleicht sie auch nur lostlos hinterher, obwohl wir ihr angeboten hatten, sie könne auch zu Hause bleiben. Wenn sie aus der Schule kommt, geht sie schnell in ihr Zimmer und schläft den ganzen Nachmittag. Eine andere ATS aus ihrem Land an ihrer Schule hatten wir eingeladen, aber sie mag sie nicht und möchte nicht, dass sie noch einmal herkommt ( ähm…wir fanden sie sehr nett). Ich bin nun sehr ratlos, da wir eigentlich alles im Fragebogen angegeben hatten und nun eine “Erfahrung” durchmachen, die uns sehr frustriert. Andererseits sagt sie, dass sie uns sehr gern hat und nicht wechseln möchte. Kann mir jemand helfen, meinen Kopf bzw. mein Gefühl zu ordnen bitte ?

Hi imbali,

ich weiss nicht, ob Dir das beim “Gedanken ordnen” hilft, aber möglicherweise machst Du Dir einfach zuviele! Deine Gasttochter sagt, dass sie sich wohl fühlt und bleiben möchte… das ist doch sehr positiv. Besonders weil ihr überhaupt darüber gesprochen habt :slight_smile:
Du schreibst - sie ist eher introvertiert -, also genießt sie vielleicht einfach die Ruhe in ihrem Zimmer, mag nicht soviel Menschen (Messe) um sich herum und shoppen ist auch nicht ihr Ding.
Die Angst vor Katzen und Meerschweinchen ist natürlich recht anstrengend und wird ja wohl auch andauern. Wie lange ist sie denn schon bei euch?

Klar, Du möchtest gern alles “richtig” machen, aber was ist schon richtig und was falsch? Ihr seid halt sehr unterschiedlich und die andere Austauschschülerin “liegt” Dir vielleicht mehr. Daher fandest Du sie auch ganz nett… und Deine Gasttochter mag sie nicht! Geschmäcker sind halt verschieden! :wink:

Lass ihr einfach ihre Zeit und wenn Du ihr weiter gemeinsame Aktionen anbietest, kommt sie vielleicht doch noch auf den Geschmack!

Viel Erfolg!

Nochmal Danke :slight_smile: fürs Augenöffnen ! Das “alles-richtig-machen-wollen” ist wohl eine der typisch deutschen Angewohnheiten :wink: Sie ist seit 2 Wochen bei uns, vielleicht reicht das tatsächlich nicht zum “Dran gewöhnen”, wenn man in eine völlig andere Lebensweise gepackt wird…

Schau dir auch mal diese Seite an über Hofstedes Theorien: http://de.wikipedia.org/wiki/Geert_Hofstede

Ich bin inmoment gerade Austauschschülerin in den USA und ich habe zwar keine Probleme, aber trotzdem treffen einiger der Dinge auch auf mich zu. Vielleicht schläft sie sehr viel, und damit habe ich auch meine Erfahrungen, weil sie das neue Umfeld und die Sprache einfach anstrengt. Ich hatte auch eine Phase wo ich andauernd hätte schlafen können, weil mich das denken und sprechen in Englisch so müde gemacxht hat. Ich glaube nicht das das unbedingt was mit ihnen zu tun hat. Und vielleicht ist sie eigentlich gar nicht schüchtern sie muss nur erst einmal richtig auftauen. Bei manchen Leuten geht das schneller und bei manchen langsamer. Sie mag vielleicht wirklich nicht so gerne solche Messen oder so, aber sie ampfinder es als unhöfflich Nein zu sagen. Wer weiß wie das ihn ihrer Kultur so ist. Ich würde ihnen raten Probleme sofort anzusprechen, aber nicht aus jeder Mücke einen Elefant zu machen. Austauschschüler sein hört sich immer sehr schön an, ist aber beigentlich wie ein Film, manchmal schön und manchmal auch sehr dramatisch aber mit einem Happy End. Und wenn sie Probleme ansprechen, seinen sie vorsichtig! Wenn das falsch rüber kommt kann das sehr schnell zu Heimweh führen. Das heißt Sorgen machen, aber alles trotzdem gelassen sehen und auch mal abwarten:):slight_smile:
MFG

Hallo imbali,

wir hatten 2006/2007 eine Austauschschülerin aus Brasilien und am Anfang ähnliche Probleme. Gib ihr und Euch Zeit, versuche mit ihr gemeinsame Dinge (Backen etc) zu machen. Unsere ATS hat sich an unsere Tiere (Hund, Katze, Pferd) gwöhnt, aber keine Beziehung dazu gehabt. Es wäre gut, wenn sie in einen Sportverein eintreten würde, um andere Jugendliche ausserhalb der Schule kennenzulernen. Unsere ATS hat Ende Januar eine andere Gastfamilie bekommen, wir wohnen auf dem Lande, und das war ihr nachher zu langweilig. Unserer Orga TASTE hat sehr gut reagiert und ihr einen Familie gegeben, derern Tochter einen Führerschein hatte und unsere ATS mehr mitnehmen konnte.
Ich gestehe, ich hatte auch keine Lust immer Taxi für die Kinder zu spielen, zumal wir eine vernüftige Bahnanbindung haben. Sollte die “Chemie” zwisschen euch nicht so richtig sein, auch wenn sie nicht wechseln möchte, sprich mit der Orga, unsere ATS war nach dem Wechsel sehr zufrieden (natürlich waren ihre Sprachjkenntnisse auch wesentlich besser - bei ihrer Ankunft sprach sie kein Deutsch, langweilte sich in der Schule, weil sie nichts verstand. Ab Oktober besuchte sie 2x wchtl. die VHS, lernte dort ein Au-Pair - Mädchen kennen, und ihre Sprachkenntnisse verbesserten sich enorm).

LG Ingrid

Ich wollte Euch kurz den Ausgang der Geschichte erzählen… die Situationen -wir machen Angebote- sie mag es nicht- hat sich sehr dramatisch in Richtung Wutausbrüche und totaler Verweigerung zugespitzt, sodass ich schliesslich kapituliert und mit der Organisation telefoniert habe, die sich natürlich auch die andere Seite schildern ließ und dann nach einem langen Nachmittag voller Telefonate sogar mit ihren Lehrern endlich Aufklärung brachte… Unsere ATS hatte sich nämlich in ein Netz von “Geschichten” verstrickt und kam da nicht mehr heraus, schämte sich aber. Da nur die Möglichkeit Heimflug ( noch peinlicher ) oder Neuanfang blieb, hat sie es geschafft, sich um 180° zu drehen und wir hatten noch eine angenehme 2. Hälfte zusammen. Fazit - trotz enger sozialpädagogischer Familienbande kann man manche Sachlagen einfach nicht knacken… manchmal muss wirklich von außen geklärt werden.

Hallo Imbali,

Na das ist ja nicht soo gut gelaufen. Aber hey, das passiert.
Wollt ihr es denn nochmal versuchen, oder war euch da alles zu viel?
Und in was für ein ‘Netz von Geschichten’ hat sie sich verstrickt? Klingt ja dramatisch.

Liebe Grüße,
Lola