Pakete nach Deutschland und der Zoll

Ich poste hier mal einen Bericht meiner Mama zum Thema „Pakete und der Zoll“. Vielleicht kommen auch noch andere deutsche Gastfamilien in die gleiche Situation und haben dann gleich den richtigen Link parat:

Vorhin lag überraschend eine Mitteilung der DHL in unserem Briefkasten. Marinas Eltern haben zwei Pakete mit Schuhen, Kleidung, Kimono, Tasche etc. geschickt und sind damit prompt am Zoll hängen geblieben.
Auf dem Paketaufkleber ist von den Eltern merchandise und personal effects angekreuzt worden. Vermutlich ist das der Weckruf für den Zoll.
Ergebnis: Wir haben eine “Benachrichtigung über den Eingang einer Sendung mit Drittlandsware” erhalten und müssen der Behörde nun erklären, was es damit auf sich hat. Erforderlich ist für jedes der Pakete eine Zollinhaltserklärung, nachzuweisen mit Einfuhrpapieren, Rechnungen, Nachweisen über gezahlte Kaufpreise und Angaben zu Art und Inhalt der Sendung. “Vordrucke sind beim Formblatt-Fachhandel zu erhalten.” Haben wir natürlich alles nicht. Woher auch?
Wir sollen die (Achtung Amtsdeutsch!) “Zollbehandlung” innerhalb von 7 Tagen beantragen und können die Sachen dann in Schöneberg abholen. Nach einer Woche werden Verwahrungsgebühren erhoben. Alternativ können wir auch die Annahme der Sendung verweigern :wink:
Ich hoffe nun, dass es morgen zur Erklärung reicht, wenn wir eine Bestätigung von Open Door International vorlegen, dass Marina unser Austauschkind ist und erklären, dass es sich um gebrauchte Sachen handelt, die mit 20kg Freigepäck beim Flug nicht mitzunehmen waren. Drückt bloß die Daumen, dass der Amtsschimmel nicht wiehert.

[I]Der Amtsschimmel versucht zu wiehern.
Mein Mann hat gestern Vormittag beim zuständigen Zollamt angerufen und erklärt, dass es sich bei den Paketinhalten um persönliche und vermutlich gebrauchte Gegenstände unserer Austauschschülerin handelt und nicht um Waren zum Weiterverkauf oder ähnlichem. Die Dame war zwar nett und auch ein bisschen peinlich berührt, konnte aber nicht aus ihrer Haut. Soll heißen, dass wir nicht umhin kommen und dort persönlich erscheinen müssen, um Formulare auszufüllen und Gebühren zu berappen. Für Kleidung hieße dies, 19 % Mehrwertsteuer nachzahlen plus 12 % Zollgebühren. Was für ein Wahnsinn!

Mit der Information konnte und wollte ich mich nicht zufrieden geben. Also einen Blick ins Internet geworfen und bei www.zoll.de eine Telefonnummer herausgefischt, unter der Zollauskünfte für Privatpersonen erteilt werden. Nachdem ich unseren Fall geschildert habe, herrschte auf der anderen Seite erst einmal tiefes Schweigen. Hm. So einen Fall hatte die Mitarbeiterin noch nicht, wie sie zugab, aber sie würde sich kümmern und zurück rufen. Was sie auch wirklich tat. Und sie hatte gute Nachrichten: Für die Ausstattung von Schülern (und Studenten) kann man eine Zollbefreiung erwirken. Und dies nicht nur für die eigentlichen Schulsachen, sondern auch für Kleidung und andere Dinge, die man in einem Austauschjahr so benötigt. Das Zauberwort für die Suchmaske lautet „Schulmaterial“ und den ausgespuckten Links folgend erfährt man, dass gemäß § 25, 26 der Zollbefreiungsverordnung eine Abgabenbefreiung beantragt werden kann.

http://www.zoll.de/b0_zoll_und_steuern/a0_zoelle/f0_freier_verkehr/d0_zollfr_vzb/b1_befr_gemrecht/a1_zollbefrvo/f0_schulmaterial/index.html

Okay, das war ja vielleicht eine goldwerte Information.
Und so wird sich mein Mann heute auf den Weg zum Zoll machen. Im „Gepäck“ vorsichtshalber die Bestätigung der Austauschorganisation, dass Marina unser Gastkind ist, die Bescheinigung des Gymnasiums, dass sie dort zur Schule geht, die Telefonnummer von Open Door International, falls es noch Rückfragen gibt und den Ausdruck der Internetinformationen. Das sollte eigentlich reichen, oder? [/I]

Puh, es ist alles gut gegangen. Die Pakete an Marina liegen friedlich im Kofferraum.
Der Beamte war sehr, sehr froh, dass wir ihm die Begründung für unseren Wunsch nach Zollfreiheit so mundgerecht ins Haus lieferten. Also schnell von allem ´ne Kopie gemacht und gut war es. Gut war allerdings auch, dass mein Mann die Kopie der Internetseiteninformationen vorzeigen konnte und einen zugehörigen Paragraphen bereit hatte :wink: Plötzlich reichte eine so genannte „mündliche Zollanmeldung“. Juchhu.
Keine Gebühren, kein Papierkrieg. Und wir freuen uns.