Geschwister in die selbe Gastfamilie?

Hallo liebe Eltern und (ehemalige) ATS,
wir stellen uns gerade die Frage ob es sinnvoll ist sämtliche Kinder in der selben Gastfamilie unterzubringen.
Zur Erklärung: Die zweite Tochter war 05/06 bei einer super netten, absolut perfekten Gastfamilie in South Carolina. Die High School sowie das ganze Umfeld hätten besser nicht sein können. Ein intensiver Kontakt zwischen der Gastfamilie und uns besteht seither. So hat nun unsere älteste Tochter im Rahmen ihres Studiums in diesem Jahr bereits zweimal 8 Wochen bei ihnen verbracht und auch unser dreiwöchiger Jahresurlaub ging heuer in die USA. Natürlich war auch die Jüngste begeistert und wurde herzlich zum ATJ eingeladen.
Nach meinen Informationen (hier aus dem Forum) darf die Clover High die entsprechenden Formulare ausstellen, die fürs Visum nötig sind, sodass ein privatorganisiertes ATJ machbar sein müsste.

Jetzt drängt sich aber die Frage auf: Nimmt man der Jüngsten nicht einen wichtigen Teil der ATJ-Erfahrungen, wenn sie quasi bei guten Bekannten wohnt und einfach übernimmt was die Schwester “vorbereitet” hat? Zudem meckert die jetzt ein bisschen rum, dass das ja eigentlich ihr Dad und ihre Mom sind. Andererseits wäre alles so schön einfach und vermutlich billiger und stressfreier usw.!?

Wie ist eure Meinung dazu?

Liebe Grüße und besten Dank für Ratschläge und Erfahrungen
Birke

Ich denke, ihr solltet den Wunsch eurer älteren Tochter respektieren. Es ist ihre Gastfamilie.

Sabrina hätte nie in die Gastfamilie ihrer älteren Schwester gehen wollen. Ebenso wollte sie nie in die gleiche Gegend oder auf die gleiche High School, auch wenn 6 Jahre zwischen den beiden Austauschjahren liegen.
Sabrina wollte immer ihre eigenen Erfahrungen machen.

Sabrina’s Gastmutter hat z.B. schon in der Planung, das Jenny in 3 Jahren auch zu ihnen kommen kann. Z. Zt blocke ich das noch ein bisschen ab, weil wir da erst drüber reden werden, wenn Sabrina wieder hier ist und sich wieder eingewöhnt hat. Wenn sie es nicht möchte, werden wir es respektieren. Ich könnte es verstehen, auch wenn es billiger und einfacher wäre … Und ich weiss nicht mal, ob Jenny es überhaupt wollen würde … Im Moment träumt sie noch von Kentucky ;).

Viele Grüsse

Kirsten

Hallo Birke

Ich kann eure Gedankengänge gut nachvollziehen: Die Gastfamilie ist super, ihr als Eltern wisst wo das Kind hinkommt, das Umfeld stimmt, etc. Wenn alle Beteiligten (inkl. der älteren Tochter) einverstanden sind, dann kann das funktioneren. Als ich in Neuseeland war, war ein ATS Kollege von mir übrigens genau in derselben Situation. Er war in derselben Familie wie ein Jahr zuvor seine Schwester.

So ein Placement birgt halt aber auch immer ein paar Risiken. Einerseits z.B. dass es dann eben nicht mehr die Gasteltern der älteren Tochter sind, sondern eben die Gasteltern beider Töchter. Das kann bei euch familienintern vielleicht etwas Eifersucht auslösen. Ihr solltet vielleicht auch immer bedenken, dass sollte es mit der jüngeren Tochter und den Gasteltern aus irgendeinem Grund nicht klappen, dass dann wahrscheinlich auch das Verhältnis eurer älteren Tochter zur Gastfamilie leiden kann.
So oder so, ist es von mir aus gesehen ein relativ schwierige Entscheidung, mit der im Endeffekt alle, d.h. ihr als Eltern, die ältere Tochter, deine jüngere Tochter und auch die Gastfamilie einverstanden sein können.

Grundsätzlich ist vielleicht noch zu sagen, dass bloss weil man die Gasteltern im Vorfeld kennt, ein ATJ nicht besser oder schlechter, weniger oder mehr stressig sein muss. Meine Eltern kannten meine Gasteltern vor dem ATJ bereits (ich aber nicht), und für meine Mutter war das damals eine grosser Erleichterung, da sie wusste wo in etwa ich hinkommen würde.

Auf jeden Fall solltet ihr das in Deutschland in eurer Familie gut überlegen und ausdiskutieren. Denk vielleicht auch daran, dass durch die bereits bestehende Bekanntschaft evtl. falsche Erwartungshaltungen geweckt werden können. Und zwar in beide Richtungen: Die Tochter, die schon ein ziemlich genaues Bild von den zukünftigen Gasteltern hat, und die Gasteltern, die evtl. einfach eine “jüngere Version” der älteren Tochter erwarten (und wie verschiedene Persönlichkeiten deine beiden Töchter haben, können wir hier ja nicht beurteilen, dass müsst ihr zu Hause machen :wink: )

Gruss
Michael

ich denke - wie meine VOrredner auch - dass das eventuell zu Schwierigkeiten führen kann.

Spontan erinnert mich das an meine Realschulzeit: als ich in die 5. Klasse der Realschule kam, war mein großer Bruder in der 8. oder 9. Klasse - dass heisst alle Lehrer und so haben schon jemanden aus meiner Familie gekannt, und ich hab echt nur bei den jüngeren Lehrern (die meinen Bruder nicht mehr gekannt haben) nicht den Ruf des “Kleinen Manuels” gehabt.
Es ist echt angstrengend und emotional stressig, nur “der kleine Abklatsch” des großen Bruders zu sein. Während des ATJ stelle ich mir das noch anstrengender vor.
Nun ja, und außerdem wird so das ATJ “direkt vergleichbar”. Die Familie ist die Selbe, die Schule ist die Selbe, die Lehrer sind ggf. noch die Selbe, das Umfeld ist wohl ähnlich… Dann kann es entweder heissen “Aber bei meiner großen Scchwester haben die das-und-das mehr/besser gemacht” und natürlich umgekehrt (Eifersuchtssituationen)
Und ich weiss nicht - ich persönlich würde das dann auch nur als halbe Erfahrung empfinden…
–> ich wäre übrigens auch kategorisch dagegen gewesen, dass mein kleiner Bruder ein Jahr bei MEINER (;)) Gastfamilie verbacht hätte. (Nun ja - es stand aber auch nie zur Diskussion, weil er daran kein Interesse hatte)
Ich fand es ja schon seltsam genug, als ich mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder im Urlaub 3 Tage bei meiner Gastfamilie war (no offence - aber meine leibliche Familie hat einfach nicht in diese Welt gepasst…)

Well - anyways: Ich müsst es euch halt ganz genau überlegen, ob ihr es so machen wollt.
Ne Möglichkeit, die mir so spontan einfällt (auch wenn sie nicht wirklich sehr viel besser ist) wäre, dass die Gastfamilie der “Großen” mal in Ihrer Umgebung (vllt anderer Ort, aber gleicher Schuldistrikt) bei Freunden, Verwandten, Arbeitskollegen rumfragt, ob sich nicht aus diesem Kreis ne Gastfamilie für die “Kleine” findet. Dann geht das ja auch privat, doch dank der “alten Gastfamilie” in der Umgebung ist noch ein gewisses “soziales Fallnetz” da, falls es doch Probleme mit der neuen Gastfamilie geben sollte. (natürlich bleibt noch die Tatsache bestehen, dass beide Töchter in der gleichen Region waren)

lG
Martin

Hallo,
auch bei mir stellt sich das Problem: Geschwisterkind in gleiche Gastfamilie? nicht, da mein Bruder kein ATJ machen möchte. Ich glaube, ich hätte aber auch nicht direkt ein Problem damit, wenn mein kleiner Bruder für ein Jahr in meiner Gastfamilie leben würde. Ich meine, wir haben auch dieselben Eltern, insofern…? Warum nicht auch die amerikanischen Eltern teilen? Aber ich kann trotzdem deine Tochter gut verstehen, ich hätte auch das Gefühl bzw. Angst davor, dass mir etwas genommen wird. Nicht, weil meine Erfahrungen in der Gastfamilie dadurch abgewertet werden könnten (weil sie eben “geteilt” werden; oder Brüderchen noch bessere Erfahrungen macht / “besser ankommt”), sondern viel mehr, dass mein Verhältnis mit meiner Gastfamilie nicht mehr stimmt, wenn mal alles nicht optimal läuft oder weil man eben unterschiedliche Erwartungen hat. Ich würde mich dann auch irgendwie schlecht fühlen, wenn sich mein Bruder nicht benimmt oder so, weil ich dann das Gefühl hätte: “Meine Gastfamilie hat ihn doch irgendwie eigentlich nur mir zuliebe aufgenommen”. (‘Bei einem ganz anderen Austauschschüler wäre man an die Sache anders rangegangen.’) Ich würde mich in solchen Situationen vielleicht auch für meinen Bruder schämen. Und das würde einen Keil zwischen uns treiben: zwischen mich und meine Gastfamilie, aber auch zwischen uns Geschwistern. Da kann man ein Leben lang böse sein oder untergründig sauer…

Wenn deine Tochter “meckert”, dann lasst das lieber bleiben. Ich habe meine Eltern auch gebeten, mich nicht in den USA zu besuchen - und letzendlich erinnere ich mich auch nur noch an negative Erlebnisse, als sie zu Besuch waren. Mein Wunsch wurde nicht respektiert, und dadurch fühle auch ich mich nicht respektiert. Deiner Tochter könnte sich ähnlich fühlen, auch wenn sie ihren Standpunkt ähnlich zurückhaltend vertritt.

Ich finde die von Martin vorgeschlagene Lösung: gleiche Region, andere Gastfamilie akzeptabel. Alternativ würde ich die kleine Schwester unter gleichen Umständen wie bei der großen (komplett neue Region, komplett unbekannte Familie) ein Austauschjahr machen lassen. Auch wenn es teurer ist. Da wird sich nämlich niemand in die Quere kommen.
Eure Tochter sollte dann ihre Gastfamilie anrufen. Wenn ich deine Tochter wäre, würde ich der Gastfamilie für das Angebot danken, und ihr erklären, dass ich nicht möchte das meine kleine Schwester immer in meinem Schatten steht. Das ist nicht leicht für sie und sie soll einmal in ihrem Leben die Chance haben, unabhängig von mir zu leben. Ich bin aber dankbar und weiß es zu schätzen, wenn meine Schwester sie zwischendurch mal anrufen kann und um Rat bitten, oder in den Ferien besuchen.

Ich denke, davon haben alle am meisten, weil die kleine dann einen “Joker” in der Hinterhand hat.

Liebe Grüße,
Wiebke

Oh, vielen Dank euch allen für die ausführlichen, wohlüberlegten Antworten.

Da sind doch einige Denkanstöße für uns dabei! Zum Beispiel ist es tatsächlich so, dass auf dem hiesigen Gymnasium die Älteste den Rahmen vorgegeben hat in den die beiden jüngeren Schwestern einfach gesteckt werden. Das geht soweit, dass sich manche Lehrer nicht einmal die Mühe machen die Vornamen auseinanderzuhalten. Auch der Gedanke, dass das schöne Verhältnis zur Gastfamilie - und/oder das der Schwestern - zerbrechen könnte, wenn es mit der Kleinen aus welchen Gründen auch immer, nicht so klappt.
Dass die Gasteltern einfach von einer Neuauflage des auch für sie wunderbaren Jahres mit ihrer geliebten “german daughter” ausgehen und dann enttäuscht sind, wenn sie ein anderes Kind bekommen, könnte sein.
Andererseits haben sie ja nun schon 16 Wochen lang unsere Erstgeborene genossen und sie in ihr Herz geschlossen, obwohl die sich doch gravierend (wie ich als Mutter natürlich genau weiß) von ihrer Schwester unterscheidet. So gesehen sind sie wohl verständnisvoll und fexibel genug um sich auch auf die Eigenheiten der Kleinen einzulassen.
Dass Katharina “ihre” Gastfamilie gar nicht teilen wollte, ist, glaube ich, nicht das Hauptproblem. Es war halt so die spontane Reaktion wie es unter Geschwistern üblich ist nach dem Motto: “Heh, das gehört mir!” Nach einiger Überlegungszeit wird sie sicherlich zu der Einsicht kommen, dass ihr durchs Teilen nichts weggenommen wird.
Ich sehe die Sache aber im Grunde wie ihr, eben auch mit einer gewissen Besorgnis. Es könnte “gesünder” sein, dass die Möglichkeit geschaffen wird sich klar von der Schwester abzugrenzen. So finde ich es auch nicht ideal, dass sich die beiden Großen für den gleichen Studiengang (Medizin) entschieden haben. Die Gefahr des lebenslangen Vergleichens besteht und dem stehe ich sehr skeptisch gegenüber.
Lieben Gruß
Birke