Gastfamilienwechsel oder weiter probieren?

#1

Hallo,
ich bin seit gut 2 1/2 Monaten in Italien und denke eigentlich seit dem anfang darüber nach die Gastfamilie zu wechseln. Im ersten Monat hab ich mir immer noch gesagt, das es jetzt wahrscheinlich ganz normal am Anfang ist vorallem weil ich auch noch nicht so gut Italienisch sprechen konnte. Nur leider ist es jetzt immer noch so.
In meiner Familie gibt es 2 Kinder aber erst 8 und 6 Jahre alt, mit denen verstehe ich mich meistens ganz gut auch wenn sie mich oft nerven aber das ist ja normal. Das Problem ist meine Gastmutter(mir wurde tatsächlich auch schon von mehreren Leuten gesagt,das sie ein bisschen seltsam ist): sie hat sich von ihrem mann getrennt und ich bin da immer ein bisschen zwischen den Fronten, weil sie mir dann sachen über ihn erzählt und die Kinder ganz andere. Außerdem bin ich mit der Art und Weise wie sie mit ihern Kindern umgeht, überhaupt nicht einverstanden aber ich kann es auch nicht anders machen weil sie sonst was zu mir sagt. Abends wenn die Kinder im Bett sind und ich mich dann ins Wohnzimmer setz, geht sie in ihr Zimmer. Da hab ich dann natürlich auch das Gefühl das sie eig keine lust auf mich hat.
Das andere große Problem ist das essen: wir essen eig meistens Gemüse und ich habe auch schon öfter gesagt das es mir nicht so schmeckt. Werde aber immer gezwungen alles aufzuessen als gutes Beispiel für die kids. Wenn ich mir, wenn ich mal alleine bin, dann selber was koch (manchmal mit Fleisch), werd ich danach meistens angemotzt weil von dem Gemüse noch Reste da waren und sie meint, dass Fleisch schlecht wäre.
Gestern hat sie mir dann gesagt (nicht direkt aber man konnte es verstehen), dass sie eig will das ich den kids deutsch beibring und enttäuscht is (aber wirklich als richtiger Vorwurf).
Mit meinem local coordinator will ich nicht wirklich reden weil die beiden befreundet sind und als ich mich an meine deutsche organisation gewandt hab, haben die mit dem local coordinator geredet…
Bin wirklich bisschen überfordet und wäre dankbar für ein paar Ratschläge

#2

Hey,
also ich versuche dir mal zu helfen…

Also ich denke, dass, wenn du von Anfang an oft über einen Gastfamilienwechsel nachdenkst, das ein guter Indikator dafür ist, dass es dir bei ihnen nicht gut geht. Ich selbst habe natürlich auch mal über einen Wechsel nachgedacht, aber nie ernsthaft und nicht die ganze Zeit. Ich komme einfach super mit ihnen klar…

Zu früh um über einen Wechsel nachzudenken, finde ich es jetzt aber auch nicht…

Blöd, dass es dir nicht gut geht. Das du dich in der Gastfamilie wohlfühlst ist in einem Austausch nämlich meiner Meinung nach, eins der wichtigsten Sachen. Schließlich soll es dein Zuhause auf Zeit werden.

Natürlich solltest du nicht in irgendwelche Familienangelegenheiten mitreingezogen werden. Ich würde sagen, da verhält sich deine Gastmutter nicht richtig. Ich würde vielleicht mir anhören, was sie so über ihren Ex-Mann sagt oder ihre Kinder erzählen, aber keine Meinung dazuabgeben und das gegebenfalls auch klar sagen. Ansonsten sich zu dem Thema vielleicht einfach im Hintergrund halten. Denn du willst deine Gastmutter ja auch nicht verärgern, also nur wenn es nötig ist, darüber zu diskutieren, sonst es vielleicht einfach deren Sache sein lassen.

Dass deine Gastmutter geht, wenn du dich ins Wohnzimmer setzt, kann bedeuten, dass sie keine Lust auf dich hat, aber das muss es nicht. Es kann auch andere Gründe geben, warum sie dann geht, vielleicht ist sie einfach müde und will Zeit für sich haben. Wenn ihr natürlich aber nie zusammen ohne die Kinder im Wohnzimmer sitzt, weil sie immer geht, klingt das nicht so gut.

Wenn du etwas nicht essen möchtest oder du nicht aufisst, ist das vollkommen in Ordnung und deine Sache. Das sollte sie respektieren, wenn du nicht unhöflich wirst wovon ich jetzt mal nicht ausgehe. Auch das du als Beispiel für die Kinder dabei herhalten musst, finde ich nicht richtig. Wenn es jetzt darum geht, das du vor den Kindern nicht bei rot über die Ampel gehen sollst, dann wäre das ja noch ok und verständlich. Beim Essen finde ich nicht.

Außerdem sollte sie sich doch eher freuen, wenn du dir essenstechnisch selbst zu helfen weißt. Aber das mit dem selber kochen, ist natürlich eine etwas kompliziertere Angelegenheit, da es ja noch immer ihr Haus ist und sie somit die Regeln bestimmt. Wenn sie also nicht will, dass du kochst, ist das zwar ziemlich bescheuert, aber ich würde da auch nicht versuchen sie weiter zu provozieren und es somit respektieren oder zu versuchen einen Kompromiss zu finden. Generell sollte sie es natürlich aber eher akzeptieren, wenn du dir selbst Fleischgerichte zubereitest, egal ob noch Essen da ist oder nicht. Schließlich entscheidest du, was für Essen du magst oder nicht.

Sie kann dich natürlich darum bitten, dass du den Kindern ein bisschen Deutsch beibringst, aber nicht dazu zwingen oder es dir vorwerfen, wenn du es nicht machst.

Das du mit niemanden darüber reden kannst oder willst, ist natürlich ziemlich blöd. Denn wenn du mit niemanden darüber redest, wird es auch nicht besser (höchstwahrscheinlich). Also meine local coordinator ist auch mit meiner Gastfamilie befreundet, weil sie schon mehrere ATS hatten. Eigentlich ist das ja erstmal eine gute Sache. Trotzdem glaube ich, dass ich mit ihr auch über Probleme mit meiner Gastfamilie reden könnte, ohne, dass sie es denen gleich weitererzählt.

Aber da kommt es natürlich darauf an, ob du ihm/ihr vertraust oder nicht oder wie er/sie so drauf ist. Ich würde es trotzdem versuchen. Vielleicht kann er/sie mit deiner Gastmutter nochmal reden und herausfinden, was genau das Problem ist oder ansonsten eine andere Gastfamilie vermitteln.

Mit der DE-Orga zu reden ist zwar auch immer eine Möglichkeit, aber die können vor Ort nicht viel machen und aus deren Sicht macht es natürlich Sinn erstmal mit dem local coordinator vor Ort zu sprechen.
Mit deinen Eltern kannst du natürlich auch über deine Probleme reden, aber sie werden, auch nicht wirkilch etwas an der Situation ändern können.
Eine Möglichkeit, um einfach mal Dampf abzulassen und deine Gefühle frei äußern zu können, wäre natürlich auch noch mit einer/m Sozialpädagogen/in an deiner Schule oder einem/r netten Lehrer/in oder einem/r guten Freund/in darüber zu sprechen.

Hatte deine Gastfamilie eigentlich schon mal ATS? Ich würde mich natürlich auch freuen, wenn du schreibst, wie es bei dir weitergeht, wie es sich verbessert hat oder auch nicht.

Ich hoffe, ich konnte dir wenigstens etwas weiterhelfen und es war dir nicht zu lang. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute, dass sich deine Situation verbessert und du trotzdem noch einen schönen Austausch hast.