Hallo !
Ich war selbst 2009 / 2010 für sechs Monate in Neuseeland und habe es unglaublich genossen. Ich bin gerade sehr neidisch auf dich, weil du dort bist und das alles noch vor dir hast. Aber offenbar kannst du dich im Moment nicht so recht darüber freuen.
Hast du schon einmal mit deiner Gastfamilie richtig darüber gesprochen, wie du dich fühlst ? Wenn das nichts bringt, sprich mit deinem Betreuer von der Austauschorganisation und bitte ihn / sie um Hilfe. Wenn du dich einfach nicht wohlfühlst, kannst du auf jeden Fall einen Gastfamilienwechsel anstreben. Es gibt unzählige Austauschschüler, die nach einem Gastfamilienwechsel eine super Zeit hatten.
Wie Lena schon geschrieben hat, solltest du auf gar keinen Fall jetzt schon abbrechen ! Drei Wochen sind gar nichts, du solltest dir noch viel mehr Zeit geben, um dich in Neuseeland einzugewöhnen. Es ist völlig normal, dass man nach einer so kurzen Zeit sich noch nicht richtig zu Hause gefühlt.
Wie geht es dir ansonsten so ? Wie gefallen dir deine Schule und der Unterricht, hast du schon Kontakte zu Mitschülern knüpfen können, kannst du an schulischen Nachmittagsaktivitäten teilnehmen, hast du schon mal geschaut, was es in deinem Wohnort alles zu entdecken gibt und was es für Jugendliche für Angebote gibt ?
Ich habe anfangs viel Tagebuch geschrieben, das hat mir sehr viel geholfen. Um meine Motivation aufzufrischen, habe ich außerdem am Anfang und manchmal später, wenn ich Heimweh hatte, mir meine Gründe nochmal aufgeschrieben, weshalb ich das alles machen wollte, mir überlegt, was ich alles kennenlernen und tun möchte, und darüber nachgedacht, was mir an Neuseeland besonders gut gefällt.
Vielleicht würde es dir auch helfen, dir über deine Motivation nochmal klar zu werden ? Also irgendetwas wirst du dir ja wohl dabei gedacht haben, als du dich für ein Auslandsjahr in Neuseeland entschieden hast. Schließlich bereitet man so einen Aufenthalt ja über einen langen Zeitraum hinweg vor.
Ich kann dir sagen, dass mein Anfang in Neuseeland nicht besonders gut verlief. Mein Flugzeug war überbucht und ich hätte beinahe keinen Sitzplatz mehr bekommen, und während des Fluges war mir die ganze Zeit über total schlecht und das ging auch noch die ersten Tage in Neuseeland so weiter. Der erste Eindruck von Wellington war auch nicht der beste. Es hat wie aus Eimern geschüttet, als ich zum ersten Mal in die Stadt gefahren bin, ich habe mich überhaupt nicht zurechtgefunden, fand das Verkehrssystem total verwirrend und fand die Stadt nicht besonders schön. Das Essen hat mir gar nicht geschmeckt, alles um mich herum war fremd und ich habe mich nicht sehr wohlgefühlt. Anfangs konnte ich mir auch gar nicht vorstellen, so lange in Neuseeland zu bleiben.
Nach kurzer Zeit hat sich das jedoch geändert. Ich habe mich daran erinnert, dass es so viele Jahre mein Traum war, in Neuseeland leben zu können, und das ich nun endlich die vielleicht einmalige Chance dazu habe. Klar gab es bis zum Schluss Dinge, die mir im neuseeländischen Alltag nicht gefallen haben, aber es ist eben einfach eine andere Kultur. Es gibt auch in Deutschland genügend Dinge, die mir nicht gefallen.
Es ist verständlich, dass dir im Moment viele Dinge in Deutschland besser vorkommen als in Neuseeland. Schließlich hast du dein ganzes bisheriges Leben dort verbracht. Du solltest auf jeden Fall nicht dauernd alles mit Deutschland zu vergleichen ! Im Vergleich mit deinem Heimatland hat kein anderes Land eine Chance.
Ich weiß nicht, ob ich dir irgendwie damit helfen kann, aber wenn du magst, kannst du ja schreiben, was dir im neuseeländischen Alltag Schwierigkeiten bereitet und warum es dir in Neuseeland nicht gefällt. Vielleicht kann ich dir ein paar Tipps geben.
Ich würde dir raten, das Beste aus der Situation zu machen, und dir darüber klar zu werden, dass das eine einmalige Chance ist, die nicht nochmal kommt. Das Schlechteste, was du jetzt tun könntest, wäre zu resignieren und dich zurückzuziehen. Lass dich auf Neuseeland sein, erkunde die Umgebung um dich herum, nutze jede Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen, such dir Beschäftigungen für deine Freizeit, die zu deinen „Ausgangszeiten“ passen. Bleib auf jeden Fall aktiv, auch wenn es schwerfällt. Wende dich mit Problemen an deine Organisation. Wenn du dich gar nicht wohlfühlst, dann wechsle die Familie, vielleicht geht es dir danach viel besser.
Es ist nicht immer leicht, man hat manchmal Zweifel und schwierige Momente. Aber ein Abbruch sollte wirklich die allerallerallerletzte Lösung sein !
Ganz liebe und aufmunternde Grüße zu dir ins ferne Neuseeland,
Marie-Claire