Auslandsjahr mit Rotary - Chancen

#1

Hallo Leute. Dieser hier ist mein erster Beitrag. Ich habe schon unzählige Fragen auf anderen Plattformen (wie zb. Gutefrage) gestellt, aber da werden einfach nie meine Fragen beantwortet:(((
Naja, egal. Ich bin jetzt auf dieses coole Forum gestoßen und hoffe, dass hier mehr Leute an meinen Fragen interessiert sind hihi :hugs:

Also wie ihr schon im Betreff lesen könnt, möchte ich gerne mit Rotary ein Auslandsjahr machen. Ich hab ihnen auch schon eine E-Mail geschrieben und ich muss jetzt nur noch meine Voranmeldung zurückschicken :slight_smile:

Ich wollte fragen, ob man realistische Chancen hat, da aufgenommen zu werden bzw. wie hoch die Chancen eigentlich stehen? Also angenommen, es gibt 50 Bewerber, wie viele werden dann ins Programm aufgenommen? Nur 5 oder 10? Ich kann mir eigentlich echt nichts darunter vorstellen:/

Natürlich kommt es auch bestimmt auf das Land an, in das man gerne hinmöchte. Meine Landwahl wäre:

  1. Kanada
  2. Australien
  3. USA
  4. England

Vielen Dank falls jemand diesen langen Text gelesen hat :kissing_heart:

#2

Also ich habe mich auch mal beim Rotary Club beworben. Meine Ortsgruppe hatte letztendlich gar keine Erfahrungen mit Austausch, was ich vorher nicht gewusst hatte und mich dann auch abgelehnt haben nach einem Hausbesuch bei mir, weil ihnen das nicht ädaquat genug wäre, wenn ein ATS auch zu meinen Eltern kommen würde. Ein weiteres Problem bei mir war, dass mein nächster Club 30 min. von mir entfernt ist und wir noch andere Gastfamilien für den Gegenbesuch hätten suchen müssen. Ich will dich aber nicht zu viel mit meinen Problemen belasten. Ich bin letztendlich im Moment mit CAMPS in Südafrika und auch happy damit.
Also wie die Chancen sind, hängt sehr stark davon ab, wie dein örtlicher Club ist… Wichtig fände ich, darauf zu achten, dass sie Erfahrungen haben, damit sie dich auch gut begleiten können. Mir haben sie damals aber gesagt, dass England (was damals mein 1. Wunsch war) total unrealistisch zu bekommen ist, da da alle hin wollen und dass von den erfahrenen Betreuern abgekaspert wird.
Ich meine, irgendwo mal gelesen zu haben, dass man nur 1 englischsprachiges Land auswählen darf. Kann aber auch sein, dass ich falsch bin, da dass teils ein bisschen undurchsichtig ist. Dass würden sie dir ja dann schon ggf. sagen.
Wo du nochmal drüber nachdenken solltest ist, dass du mit Rotary in 3 verschiedene Gastfamilien jeweils für 3 Monate kommst. Was ich mittlerweile kritisch sehe, da du dich dann immer wieder neu einleben müsstest. Man soll aber die ganze Zeit auf die gleiche Schule gehen, also würdest du deine Freunde nicht komplett verlieren. Der ofte Wechsel kann natürlich auch eine Bereicherung sein, gerade wenn es mit einer Gastfamilie ein bisschen schwierig ist. Denk da einfach nochmal gründlich drüber nach.
Ich hatte mich damals, Monate vor den Sommerferien ein Jahr vor meinen Austausch bei denen beworben. Sie haben mich Monate bis zur finalen Antwort warten lassen. Da sie erst wenn die Dateline für alle Bewerbungen erreicht ist, anfangen zu bearbeiten.
Ich habe es auch so verstanden, dass die endgültige Bestätigung, ob man genommen wird oder nicht, erst im Mai kommt (vom Gastclub), wenn man dann im Juli geht. Was sehr kurzfristig wäre.
Ich kann dir nur raten, dich auch über andere Orgas zu informieren und sich bei denen zu bewerben. Also einen Plan B zu haben.
Meine Orga “CAMPS” kann ich dir natürlich auch nur empfehlen. Die Vorteile von ihnen: sie sind sehr klein (ca. 20 Mitarbeiter*innen, 180 ATS pro Jahr), deshalb ist der Kontakt mit ihnen sehr eng (man darf sie sogar duzen…). Man kann ihnen immer Fragen per Mail oder Telefon stellen und sie antworten ziemlich schnell mit all dem Wissen, was sie haben. Bei den sehr komplizierten Visaangelegenheiten für Südafrika, wussten sie manchmal auch nicht alles so genau. Aber das finde ich verzeihlich… Mir sind sie einfach sehr sympathisch.
Um Orgas zu finden, kann ich dir nur Austauschmessen empfehlen wie die Jugenbildungsmessen von weltweiser oder mein Liebling: die Auf-in-die-Welt-Messen von der Stiftung Völkerverständigung.
Ich möchte nochmal sagen, dass ich insgesamt nur schlechte Erfahrungen mit Rotary gemacht habe. Aber das heißt nichts. Wir hatten den Tipp von einem Bekannten bekommen, der beim Rotary sehr aktiv ist und uns sie nur empfehlen kann. Auch gibt es ATS, die sehr zufrieden mit ihnen waren. Das steht und fällt alles, glaube ich, mit dem örtlichen Club. Du musst (egal bei welcher Orga) Vertrauen zu deinem Betreuer haben.
Ich weiß, es war jetzt sehr lang. Trotzdem hoffe ich, geholfen haben zu können…

#3

Hallo,

deine Chancen, bei Rotary aufgenommen zu werden, sind vermutlich so schlecht nicht. Ob du vermittelt werden kannst hängt dennoch stark mit dem Angebot an vorhandenen Plätzen ab und natürlich deiner Bereitschaft (bzw. die deiner Eltern) im Gegenzug, also während du weg bist, ebenfalls Austauschschüler zu beherbergen. Bei vielen ist das der Knackpunkt - aber so funktioniert Rotary eben.

Deine Länderliste ist - wie die Eule bereits bemerkt hat - ebenfalls so nicht zulässig. Ein englischsprachiges Land und die weiteren dann eben anderssprachig.

Wissen sollte man auch, dass die Amerikaner zunehmend weniger Interesse an einem Aufenthalt in Deutschland haben. Da das rotarische Prinzip auf Austausch beruht liegt genau da der Knackpunkt.

Meine Tochter wollte zunächst mal an einem rotarischen Kurzaustausch teilnehmen bevor es nächstes Jahr ins Auslandsjahr geht. Wir haben uns durch den Prozess gewuselt, alles ausgefüllt, sie stand auch in der Datenbank… am Ende hat es dann nicht geklappt, weil sich kein Platz in den USA für sie fand. Auch andere sind leer ausgegangen.

Wenn du bereit bist auch nach Südamerika zu gehen oder sogar nach Asien stehen deine Chancen vermutlich gar nicht schlecht. Bei den englischsprachigen Ländern brauchst du schon eine dicke Portion Glück. Da wir nicht mehr daran glauben, dass unsere Tochter für das Auslandsjahr eine reelle Chance in ihrem ersten Wunschland hat, haben wir uns nun doch für das Auslandsjahr mit einer klassischen Organisation entschieden. Das Risiko, dass sie am Ende ganz ohne da gestanden hätte, ist uns einfach zu groß.

Persönlich finden wir das sehr schade, denn der rotarische Gedanke, der ja ganz klar den kulturellen Austausch in den Fokus rückt, gefiel uns ausgesprochen gut. Und so hätten wir auch das Wechseln der Familien eher als reizvoll denn als lästig oder unangenehm empfunden.

Ach ja, und vieles hängt davon ab, ob der für dich zuständige Jugenddienstleiter deines Districts aktiv und treibend oder eher zurückhaltend ist. Wir hatten einen sehr netten Ansprechpartner, dennoch gestaltete sich der Kontakt sehr zäh und war mit unendlichem Nachfassen verbunden, das uns dann doch sehr frustriert hat. Am Ende hat es dann wie gesagt nicht geklappt.

Die von Eule angeratene Skepsis teile ich allerdings nur in o. a. Hinsicht. Ansonsten halte ich Rotary für eine exzellente Adresse für Jugendaustausche. Vergessen sollte man nicht, dass sich die Rotarier ehrenamtlich kümmern und wirkliches Interesse haben, dir Land und Leute näher zu bringen. Es wird sehr viel geboten, ein sehr hoher Aufwand betrieben. Wie oft liest man von Jugendlichen, die mit kommerziellen Organisationen unterwegs sind, dass sie sich abgeliefert und allein gelassen fühlen. Auch wenn wir selber die praktische Erfahrung nicht machen durften halte ich diese Gefahr bei einem Austausch mit Rotary für extrem gering. Als Eltern hätte ich jedenfalls ein sehr gutes Gefühl gehabt, wenn unsere Tochter mit Rotary auf Reisen gegangen wäre.

Ein glückliches Händchen für deine weitere Entscheidung wünsche ich dir…