Auslandsaufenthalt mit Elternbegleitung USA oder Kananda

Wir überlegen aktuell, dass unsere Tochter für eine begrenzte Zeit (vorzugsweise ein Schulhalbjahr also 6 Monate) eine Privat- bzw. deutsche Auslandsschule in den USA oder Kanada besucht. I den USA würde sie dafür mit einem F-1-Schülervisum einreisen.

Unsere Tochter ist noch nicht alt genug für ein klassisches High-School-Austauschjahr mit Gastfamilie. Daher wäre es notwendig, dass mindestens ein Elternteil sie begleitet und gemeinsam mit ihr vor Ort lebt.

Der begleitende Elternteil würde in die USA mit einem B-2-Visum (Visitor Visa) einreisen – ohne Arbeitsaufnahme, mit klar befristeter Aufenthaltsdauer und mit eindeutigem Lebensmittelpunkt weiterhin in Deutschland.

In Kanada sind die Regeln etwas leichter und würden beispielsweise auch eine Remote Arbeit zulassen.

Hintergrund: Ein Elternteil hat bereits als Kind eine deutsche Schule in den USA besucht, hat dorthin noch gute Beziehungen und würde gern seinem eigenen Kind (12 J.) dort ein Schulhalbjahr ermöglichen. Die finanziellen Mittel sind vorhanden. Die Kosten schon recht genau abgesteckt. Das der Spaß teuer ist, darüber müssen wir uns nicht mehr klar werden. Das wissen wir.
USA ist natürlich wegen der Visa Bestimmungen deutlich komplexer. Kanada wäre daher auch eine Option. Da ich die USA und auch Kanada sehr gut kenne (bin dort selbst aufgewachsen) ist die Planung nicht von Blauäugigkeit geprägt.

Ich suche hier nach Erfahrungen oder Berichten. Wer hat sowas in der Art bereits gemacht oder nur geplant und wieder verworfen oder aber kennt jemanden mit Erfahrungen?

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Hallo Maribelle,

ich habe deinen Beitrag nun ein paar Mal durchgelesen und war mir nicht sicher, ob ich mich dazu äussern soll.

Selbst habe ich keine Erfahrungen mit den USA oder Kanada, also auch nicht, wie der Prozess genau abläuft oder wo man sich hinwenden kann.

Was mich jedoch etwas beschäftigt, ist das Alter des Kindes. Mit 12 Jahren finde ich einen solchen Schritt schon sehr früh und habe meine Zweifel, ob es wirklich förderlich für die Entwicklung des Kindes ist. In der Regel ist ein zwölfjähriges Kind meiner Meinung nach noch nicht so gefestigt und eigenständig, dass es eine solche Erfahrung richtig einschätzen kann. Natürlich kann es sein, dass ein Elternteil sehr gute Erfahrungen gemacht hat, aber ich frage mich, ob das auch die beste Wahl für das eigene Kind ist.

An eurer Stelle würde ich noch drei bis vier Jahre warten und dem Kind dann die Möglichkeit geben, einen Schulaustausch allein zu erleben – natürlich nur, wenn das Kind diesen Wunsch auch selbst äussert. Im Vergleich zu einem zwölfjährigen Kind sind 16-Jährige bereits viel gefestigter, haben klarere Vorstellungen von sich selbst und können die Herausforderungen eines solchen Austauschs besser bewältigen. Auch ein Austausch ist meiner Ansicht nach viel wertvoller, wenn er ohne die eigene Familie in einer Gastfamilie stattfindet, um die kulturellen und sozialen Erfahrungen intensiver zu erleben.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich spreche hier vor allem im Kontext eines klassischen Schulaustauschprogramms, und das ist ja auch das Thema hier im Forum.

Wenn es lediglich darum geht, in den USA oder Kanada eine deutsche Schule zu besuchen, kann das natürlich auch eine Möglichkeit sein. Aber mir ist der tiefe Sinn eines solchen Aufenthalts nicht ganz ersichtlich, wenn man die Herausforderungen, die ein 12-jähriges Kind dabei erleben könnte, in Betracht zieht.

Natürlich kann ich mich auch irren, und bei euch sieht das alles vielleicht ganz anders aus.

Lieber Gruss
Domnik

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Ich drücke mich mal etwas kürzer und prägnanter aus als Domnik, dem ich vollkommen Recht gebe. Es geht meiner Meinung nach beim Student Exchange zu einem sehr großen Teil um das Freischwimmen - ohne Eltern.

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Mir geht es hier nicht um persönliche Meinungen oder Bewertungen des Vorhabens, sondern konkret um Erfahrungsberichte.

Wer keine eigenen Erfahrungen beisteuern kann, muss dazu nichts schreiben.

Danke an alle, die sachlich bleiben.

Wir haben uns bewusst für einen jüngeren Jahrgang entschieden. In diese Entscheidung fließen sowohl eigene Schulerfahrungen als auch eigene Auslandserfahrungen in diesem Alter mit ein.

Unser Kind hat zudem bereits verschiedene Schulen gesehen und ist von dem konkreten Projekt sehr angetan.

Es handelt sich hier nicht um einen klassischen Schüleraustausch – das habe ich von Anfang an so beschrieben. Ein solcher Austausch kann ja später immer noch folgen, wenn sie älter ist.

Ich bin schon um die 20 Jahre in Foren wie diesem zum Thema Austausch unterwegs. Ich habe noch nie von einem Projekt wie eurem gelesen, deshalb wird sich wohl leider niemand mit eigener Erfahrung hierzu finden. Vielleicht sind Expat-Foren eine bessere Anlaufstelle? Passt zwar auch nicht ganz, aber das Thema Deutsche Schule wird bei sowas sicher häufiger besprochen, vielleicht ist ja sowas ähnliches dabei.

Da ich auch ähnlich lange ehrenamtlich in diesem Bereich tätig bin, bin ich genauso skeptisch wie andere hier, was das junge Alter angeht. Ich erlebe die Jugendlichen von Jahr zu Jahr als weniger resilient, mit weniger Kompetenz zur Selbsthilfe und weniger Stamina, Fremdes und Unerwartetes auszuhalten. Selbst mit umfangreicher Unterstützung erlebe ich immer häufiger, wie junge Menschen, ihre leiblichen Familien und ihre Gastfamilien sich die Zähne ausbeißen und schließlich scheitern. Ich bin inzwischen wesentlich zurückhaltender bei der Platzierung von z. B. erst 15-jährigen Jugendlichen bei Gastfamilien, die das noch nie gemacht haben. Die brauchen jemand mit Erfahrung und dem Willen, auch schwierige Phasen durchzustehen. Auch wenn sie älter sind ist das natürlich keine Garantie für Erfolg - aber ich kann im Schnitt einen freiheitsliebenden und über die Stränge schlagenden 18-jährigen immer noch besser gewissenhaft betreuen, als einen emotional überforderten und deshalb schließlich einfach nur unglücklichen 16-jährigen.

Individuell kann natürlich alles anders sein, und es wird noch weitere Gründe geben als das Alter und die erlernten Kompetenzen. Im Schnitt wird es aber meiner Erfahrung nach selbst mit den älteren Jugendlichen immer schwieriger. Früher hatte ich pro Jahr einen schwierigen Fall. Inzwischen habe ich pro Jahr einen guten.

Mein Rat lautet deshalb inzwischen bei fast allem: Wenns geht, lieber später als früher, oder wenn früh: eher kürzer.

Wozu der Stress, wenn es auch entspannt geht…

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In der FAZ erscheinen seit letztem September 14-tägig Berichte von Susanne Grautmann, die mit ihrer Familie ein halbes Jahr in Vancouver verbringt. Die Rubrik heißt „Auswandern auf Zeit“. Die Artikel könnten hilfreich sein.

Ah ja, ich sehe euer Projekt . Ich habe zwar nicht genau dasselbe gemacht, aber ich habe ein Kind für ein paar Monate ins Ausland begleitet. In den USA braucht das Studentenvisum fürs Kind und B‑2 für den Elternteil einiges an Vorbereitung, während es in Kanada oft einfacher und flexibler ist, besonders fürs Homeoffice. Vor Ort mit dem Kind zu leben macht das Semester richtig spannend und bereichernd.

Hallo Maribelle,

ich kann eurer Idee grundsätzlich total viel abgewinnen.

Mein Partner hat auch als Kind mehrere Jahre an einer dt. Schule im Ausland verbracht und schwärmt noch heute von der Zeit. Allerdings waren das auch mehrere Jahre und Mittelpunkt des Familien- und Arbeitslebens mit Eltern und Geschwistern war auch vor Ort.

Für eine so begrenzte Zeit kann ich den Nutzen noch nicht richtig sehen. Zumal das Alter ja auch ganz wichtig mit Freundinnen etc. ist und man eher das Gefühl hat hier was zu verpassen :wink: Um dann ggf. in einem halben Jahr wieder Freundinnen zurück zu lassen. Emotional nicht unstressig in einer Zeit, in der Jugendliche ohnehin manchmal etwas lost sind..

Du wolltest keine Bewertung - soll es auch nicht sein. Ich wollte nur bekräftigen, dass ich der Idee an sich total viel abgewinnen kann, es sich aber ggf. lohnt nochmal zu schauen, wer was wirklich will… :slight_smile:

Und wenn alle an Bord sind: warum sollte es nicht gehen. Die Schulen sind m.W. auch nicht günstig - also nicht wie in D kostenfrei aber Liesel9 hat ja die Visumshinweise gegeben.

Viel Erfolg und es wäre spannend, wenn du von der Umsetzung berichtest.