ATJ in Japan - eure Erfahrungen

Hallo, ich bin recht neu hier im Forum und würde mich über Erfahrungsaustausch mit Eltern freuen, deren Kinder ein ATJ in Japan gemacht haben. Mein Sohn ist fast 16 und liebt alles, was mit Japan zusammenhängt. Er lernt selbstständig die Sprache und beschäftigt sich viel mit der Kultur und der Lebensweise. Später möchte er auch gerne in Japan leben. Als “soften” Einstieg denken wir daher über ein ATJ dort nach. Mit welchem Anbieter habt ihr das verwirklicht? Wie sind eure Erfahrungen? Wie lange waren eure Kinder dort? Ich freue mich auf eure Antworten. Liebe Grüße Bettina

Hallo Betty,

Ooh wie schön, dass dein Sohn die Japan-Leidenschaft hat! Ich glaube ja, eine Japan-Leidenschaft bleibt für immer! Meine Tochter ist auch ein absoluter Japan-Fan!

Sie hat vor zwei Jahren ein Austauschjahr in Japan gemacht, kam also letzten Sommer zurück. Aktuell ist sie allerdings schon wieder dort über die Ferien :grin: Sie war noch 15 als sie rüber ist, wurde danach aber bald 16.

Ich finde, Japan ist ein tolles Land für einen Austausch! Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht. Das Land ist einfach sehr sicher, die Menschen sind alle sehr freundlich und rücksichtsvoll. Ich denke mal, dass es schwer ist, nur negative Erfahrungen in Japan zu machen.

Unsere Tochter wollte eigentlich mit AFS nach Japan, allerdings hat AFS nur sehr wenige Plätze, da es (neben YFU, glaub ich) die einzige Organisation ist, mit der man die ganzen 10 Monate in einer Familie bleibt, so wie wir das hierzulande kennen oder auch in USA. AFS lost allerdings die Plätze aus. Es ist also Glücksache, ob man einen Platz bekommt oder nicht. Wir hatten das Glück nicht. Nachdem wir bei YFU auch keinen Platz bekommen hatten, sind wir bei AYUSA hängen geblieben. Bei Experiment hätte sie zwar auch einen Platz bekommen, aber bei Ayusa hatte sie sich von Anfang an sehr gut aufgenommen gefühlt. Zumal bei Experiment ebenfalls Familienwechsel stattfinden.

Ayusa hat den Vorteil, dass sie ein eigenes Büro in Tokyo haben und die Kinder, sowohl auch wir, immer eine deutsche Ansprechpartnerin haben, die immer für einen da ist. Sie befindet sich zwar in Deutschland, ist aber dennoch immer erreichbar und übernimmt zum Teil auch die Kommunikation mit Tokyo.

Die Familienwechsel haben sich im Nachhinein als positiv herausgestellt. In der ersten Familie hatte es nämlich von der Chemie her nicht so gepasst. Deswegen war ein Wechsel gut, aber auch, weil sie mit jedem Wechsel selbstbewusster in die Familie gekommen ist und sich auch nach den Wechseln mit den ehemaligen Familien weiterhin getroffen hatte. Sie hatte dadurch eine großen Radius an Familien :grin: (es waren insgesamt 4, aber bei einer war sie nur zwei Wochen über die Ferien) Natürlich ist es von der Intensität bestimmt toller, 10 Monate in einer Familie zu sein, so erlebt man alle Höhen und Tiefen gemeinsam und wächst noch mehr zusammen. Auch sind die Wechsel nicht ganz stressfrei, je nach Kind..

Ich würde euch empfehlen, zuerst bei AFS oder YFU einen Platz zu ergattern. Nach Japan kann man entweder auf Anfang März (weil da das neue Schuljahr startet) oder auch auf Anfang September einreisen.

Und ich kann euch einen Austausch in diesem Land definitiv empfehlen! Meine Tochter hat ein enormes Selbstbewusstes erlangt! Außerdem ist es auch toll, in diesem Land Menschen zu haben, bei denen man immer willkommen ist.

Bin gespannt, wie es bei euch weitergeht!

Lasst von euch hören!

Liebe Grüße, Monika

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Wenn du nach Beiträgen von @Domnick suchst wirst du einige tolle Einblicke über das ATJ in Japan finden. Ich glaube das war mit AFS in der „Nähe“ von Tokyo.

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Hallo Betty

Schön, dass es immer mehr Leute gibt, die es auch einmal nach Fernost zieht. Wie Maik bereits erwähnt hat, habe auch ich sehr gute und positive Erfahrungen mit Japan gemacht. Auch @Monika (schön bist du wieder einmal hier :blush:), hat genau ein Jahr später mit einer anderen Austauschorganisation sehr gute Erfahrungen in Japan gemacht. Ich denke, mit Monika und mir hast du hier also gleich zwei gute Informationsquellen.

Übrigens auch ein Danke an @Maik für die Erwähnung hier!

Wie Monika kann auch ich Japan uneingeschränkt empfehlen, wobei ich zugegebenermassen keine Erfahrungen mit anderen Austauschländern habe. :blush:

Dein Sohn bringt schon sehr gute Voraussetzungen für einen Schüleraustausch mit. Er lernt freiwillig und vor allem selbstständig die Sprache, interessiert sich für die Kultur und möchte später vielleicht sogar dort leben. Das zeigt, dass er sich bereits mit fast 16 Jahren Gedanken macht und konkrete Vorstellungen hat.

Hier möchte ich kurz einen kleinen Einwurf machen: Er ist fast 16 und wir haben bereits Ende August. Ich kenne die Anmeldefristen in Deutschland nicht, aber wenn ihr einen Start im Jahr 2027 ins Auge fasst, wäre es meiner Meinung nach höchste Zeit, euch bei den Organisationen zu informieren und die ersten Schritte einzuleiten.

Meine Tochter hat ihr ATJ mit AFS gemacht und ist im Sommer gestartet. AFS Schweiz bietet den Start meines Wissens zweimal im Jahr an und stimmt die Termine entsprechend mit AFS Japan ab, also im Frühling oder Sommer, wie Monika bereits erwähnt hat. Deshalb würde ich mich möglichst frühzeitig darum kümmern.

Ich persönlich finde auch die Entscheidung für ein ganzes Jahr besser als nur für ein halbes Jahr. Japan ist kein ganz einfaches „Austauschland“, weil die Kultur doch sehr weit von unserer entfernt ist. Gleichzeitig machen es die Menschen mit ihrer grossen Geduld und Fürsorge wieder wett. Aber es braucht einfach Zeit, bis man wirklich angekommen ist.

Meine Tochter hat erzählt und das deckt sich auch mit anderen Erfahrungen, dass es bei ihr fast fünf Monate gedauert hat, bis sie sich wirklich eingelebt und angekommen gefühlt hat. Ein grosser Faktor ist natürlich die Sprache. Dazu kommt die japanische Eigenart, sehr viel zwischen den Zeilen beziehungsweise die „Luft lesen“ zu können. Das bedeutet, dass das Gesagte nicht immer genau dem entspricht, was tatsächlich gemeint ist. Diese Kombination kann am Anfang ziemlich schwierig sein, ist aber gleichzeitig auch unglaublich interessant.

Hinzu kommt, dass es durchaus sein kann, dass im direkten Umfeld kaum oder gar kein Englisch gesprochen wird. Ausnahmen sind natürlich andere Austauschschüler oder die Kontaktpersonen der Austauschorganisation. Aber dass die Gastfamilie oder Mitschüler gut Englisch sprechen, ist keineswegs selbstverständlich. Viele Japaner sind Perfektionisten und sprechen lieber gar kein Englisch, wenn sie das Gefühl haben, es noch nicht gut genug zu können, obwohl sie es in der Schule lernen. Das hängt natürlich auch stark von der Region ab. Ich könnte mir vorstellen, dass in urbanen Gebieten wie Tokio, Osaka oder Kyoto etwas mehr Englisch gesprochen wird als in ländlichen Gegenden.

Meine Tochter wollte damals unbedingt in eine urbane Gegend und am liebsten natürlich nach Tokio oder Kyoto. Bei AFS Schweiz kann man den Ort aber nicht auswählen und damit ist man ein Stück weit dem Glück ausgeliefert. :blush: Sie landete schliesslich sehr ländlich und überhaupt nicht in einer Stadt.

Rückblickend hat sie allerdings gesagt, dass es genau richtig war. So konnte sie das ursprüngliche und traditionelle Japan kennenlernen, was für ihre Erfahrung sehr wertvoll war. Aber auch hier sind die Erfahrungen natürlich individuell.

Meine Tochter wollte vor ihrem Austausch ebenfalls unbedingt einmal in Japan leben und konnte sich eine Zukunft dort sehr gut vorstellen. Das war stark geprägt von ihren damaligen Vorstellungen und Erwartungen an Japan.

Nach ihrem ATJ ist sie tatsächlich für immer mit Japan verbunden. Sie hat dort eine zweite Familie gefunden und viele Freunde, mit denen sie bis heute aktiv Kontakt hält. Sie hat sich auch damit beschäftigt, in Japan zu studieren und sich dort etwas aufzubauen.

Heute sieht sie manches etwas anders. Ein Studium in Japan kann sie sich nach wie vor vorstellen. Dort dauerhaft zu leben und zu arbeiten hingegen nicht mehr unbedingt. Vielleicht irgendwann nach der Pensionierung. :blush:

Falls dein Sohn den Austausch tatsächlich macht, wäre ich deshalb sehr gespannt, welche Erfahrungen er mitnimmt und ob und wie sich seine heutigen Vorstellungen dadurch verändern. Auch meine Tochter war inzwischen schon zweimal wieder in Japan und liebt das Land nach wie vor. Sie sagt sogar, sie gehe „nach Hause“, zu ihrem japanischen Zuhause.

Schlussendlich ist Japan ein Land, das einen unglaublich wertvollen Austausch ermöglichen kann. Aber eigentlich spielt es gar nicht die entscheidende Rolle, welches Land es wird. Hauptsache, ein Austausch findet statt.

Die Erfahrungen, die man während eines solchen Jahres macht, sind enorm wertvoll und stärken einen Jugendlichen meiner Meinung nach sehr. Selbstvertrauen, Selbstständigkeit, Offenheit gegenüber anderen Kulturen und oft auch eine gewisse Erdung und ein neues Verständnis für sich selbst, die eigene Familie und natürlich auch die Gastfamilie.

Was mir bei meiner Tochter besonders aufgefallen ist: Du schickst dein Kind weg und es kommt als erwachsener Mensch zurück. :blush:

Und oft verändert sich auch der Blick auf die Welt. Plötzlich wird man neugierig auf andere Länder und bekommt Lust, noch mehr davon zu entdecken. Was man während eines ATJ geschafft hat, gibt einem das Selbstvertrauen, dass vieles auch anderswo möglich ist.

Meine Tochter war seitdem immer wieder alleine unterwegs, in Europa, im Baltikum und aktuell alleine auf einem Backpacker Trip durch Südostasien. Nächstes Jahr geht sie sicher noch nach Taiwan. Die Welt öffnet sich einfach…

Also, wenn du konkrete Fragen hast, können Monika und ich dir sicherlich weiterhelfen. :blush:

Lieber Gruss
Domnick

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Hallo euch, ganz lieben Dank schonmal für eure Rückmeldungen. Wenn ich es richtig lese, hattet ihr mit euren Anbietern sehr gute Erfahrungen. Das ist ja scheinbar auch nicht immer gegeben. Habe hier im Forum schon einiges weniger positives über bestimmte Anbieter (allerdings für andere Länder) gelesen. @Monika : AFS wäre aktuell eigentlich auch mein Favorit, aber da gibt es nur Warteliste (das ist vermutlich das von dir erwähnte Losverfahren). Danke für deinen Tipp mit AYUSA. Das werde ich auf jeden Fall auch nochmal recherchieren. Ich freue mich, dass eure Kinder so gute Erfahrungen gemacht haben. Ich bin als Mama ein wenig hin- und hergerissen: einerseits möchte ich meinem Sohn diese Möglichkeit bieten, da ich weiß, dass er sich das wünscht und ihn so ein ATJ persönlich enorm weiterbringen wird, andererseits weint mein Mama-Herz jetzt schon, ihn so lange wegzulassen. Aber das ging euch vermutlich ähnlich und eure Berichte machen Mut, dass es der richtige Schritt wäre :slight_smile: Ich halte euch auf dem Laufenden. Liebe Grüße Betty

Hallo Betty

Ja Dilemma kennen wir. Als Eltern ist es unheimlich schwer mit diesen Gedanken sowohl im Vorfeld und in der ersten Zeit damit klar zu kommen.

Aber ich garantiere dir, es lohnt sich und wir wollen ja unseren Kindern nur das Beste auf den Weg geben. Selbständigkeit, Selbstsicherheit und einfach Offenheit gegenüber Neuem und Fremdem.
Mi 16 ein Kind für ein Jahr wegzugeben zu Menschen die man nicht kennt tönt schon extrem.
Wir hatten all diese Gedanken auch. Im Nachhinein würde ich es immer wieder tun und mein Tochter auch. Hier müssen wir als Eltern woh etwas zurückstehen und dies zulassen.

Das klappt schon…viel Kraft dir…

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Hallo Betty, (und hallo @Domnick, schön mal wieder Kontakt zu haben :blush: )

ich denke, dass es in Japan von der Kultur her einfacher ist, gute Erfahrungen zu machen. Die Menschen dort sind einfach ungemein gastfreundlich. Und es wollen auch viel weniger Schüler nach Japan, als z.B. nach USA. Das heißt, die Agenturen suchen im Vergleich nach viel weniger Gastfamilien, was es natürlich wiederum einfacher macht, tolle Gastfamilien zu finden. Wie gesagt, meine Tochter hatte vier, und alle vier waren toll, nur stimmte halt die Chemie mit der ersten nicht. Gastfreundlich waren sie dennoch.

Wie Maik erwähnt, kannst du dir hier im Forum z.B. von Domnick tolle Erfahrungsberichte seiner Tochter durchlesen, aber auch kleine Krisen sind dabei, vor dem Abflug meiner Tochter zum Beispiel oder zur Weihnachtszeit.

Genauso wie Dominicks Tochter, wollte meine Tochter vor dem Austauschjahr in Japan ihr gesamtes Leben verbringen. Dies hat sich allerdings, wie bei Domnicks Tochter, geändert. Sie liebt dieses Land nach wie vor, nur hat sie eben auch mitbekommen, dass es auch anstrengend ist, dauerhaft in einer Gesellschaft zu leben, in der man für die Gesellschaft lebt und sich weniger individuell entfalten kann.

Sie hat also auch schätzen gelernt, was sie hier hat, uns als Eltern, unsere gesamte Familie und unsere Lebensweise. Dadurch ist sie viel dankbarer geworden und unsere Verbindung, die vorher schon stark war, hat sich noch mehr verstärkt. Damit will ich Dir Mut machen, loszulassen. Du wirst was tolles zurückbekommen!

Liebe Grüße, Monika

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