Weihnachten, Heimweh

Hallo,

Ich bin seit Anfang des Schuljahres für 5 Monaten in Frankreich. Von diesen 5 Monaten sind schon 4 um und über Weihnachten werde ich nach Hause fliegen, um meine Familie zu besuchen.

Am Anfang hatte ich Probleme in der Schule Anschluss zu finden habe aber inzwischen Freunde gefunden mit denen ich unter der Woche viel unternehme.

Leider wohne ich in einer sehr kleinen Stadt, so dass meine Freunde in einer anderen Stadt wohnen und ich sie während der Wochenenden nicht sehen kann. Meine Gastfamilie ist zwar sehr nett, aber wir unternehmen an den Wochenenden nie etwas. Außerdem ist die Familie sehr temperamentvoll. Damit meine ich, dass es viel Streit gibt. Das wäre ja an sich okay, aber kurz bevor ich nach Frankreich gefahren bin haben sich meine Eltern getrennt was mich sehr belastet. Somit bin ich jedes Wochenende furchtbar traurig und muss fast die ganze Zeit weinen.

Irgendwie habe ich auch total Angst nach Weihnachten wieder zurück nach Frankreich zu kommen, obwohl es nur noch 5 Wochen sind und ich diese eigentlich genießen möchte. Wenn ich daran denke muss ich jedes Mal los weinen.

Hat jemand Erfahrung, wie das ist über Weihnachten nach Hause zu fahren, um dann wieder zurück zu kommen?

Viele Grüße

Luna

Ps: vielen Dank für das durchlesen und sorry für den langen Text

Hallo Luna,
wie schade, dass dein Auslandsaufenthalt von so unschönen Ereignissen begleitet wird.
Etwas ungewöhnlich und ehrlich gesagt richtiggehend unglücklich finde ich, dass du den ohnehin nicht so arg langen Aufenthalt unterbrichst und zwischendurch nach Hause fliegst. Auch wenn Weihnachten vor der Tür steht hätte ich das nicht gemacht - einmal mehr, da dir auf diese Weise ja auch das Erlebnis von Weihnachten in Frankreich entgeht. Und ich befürchte auch, dass du dir dadurch das Leben noch einmal schwerer machst - wie kommt es überhaupt dazu?
Prinzipiell hätte ich dir davon abgeraten, aber dafür ist es ja jetzt zu spät. Also kann es nur heißen: Augen zu und durch! Wovor genau hast du denn Angst, wenn du wieder zurück in Frankreich bist? Deine Gastfamilie kennst du, deine neuen Schulfreunde freuen sich sicherlich auch, dich wiederzusehen. Also was macht dir zu schaffen?

Ich kann mir vorstellen, dass es sich nicht gut anfühlt, weg von deinen Eltern zu sein, wenn sich dort gerade so gravierende Dinge wie eine Trennung abspielen. Deine Eltern haben es bestimmt gut gemeint, dich in der Trennungsphase ins Ausland zu lassen, so dass du die damit verbundene Unruhe in der Ferne nicht so spürst. Dass sie dich aber einem Gefühl der Ohnmacht aussetzen und es womöglich sogar schwieriger ist, so etwas aus der Ferne mitzuerleben, hatten sie bestimmt nicht auf der Rechnung.

Ich würde den Aufenthalt nutzen und ihnen darlegen, was dich bewegt. Dann noch mal 5 Wochen raus zu sein aus der Traurigkeit bietet dir auch die Chance, durchzuatmen. Vielleicht versuchst du, dich auf die schönen neuen Dingen zu fokussieren, die dir in Frankreich begegnen?

Wenn du an den Wochenenden zuviel Zeit zum Grübeln hast würde ich überlegen, wie ich trotzdem zu den neuen Freunden gelange. Gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, die du nutzen kannst? Oder je nach Distanz ein Fahrrad, mit dem du dorthin radeln kannst? Vielleicht haben ja auch diese Freunde eine Idee.

Den Streit in der Familie musst du wohl so hinnehmen. Wärst du noch länger als 5 Wochen dort hätte ich dir geraten, auch dazu das Gespräch zu suchen und dein Herz auszuschütten. Natürlich kannst du das trotzdem machen und ihnen - sofern sie davon nicht wissen - die Situation in Deutschland schildern und ihnen darlegen, dass die häufigen Auseinandersetzungen dich zusätzlich runterziehen. Nett vorgebracht könnte das Wunder wirken. Bei 5 Wochen würde ich das aber wirklich nur noch ansprechen, wenn sich deine emotionale Situation zuspitzt.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Weihnachtszeit bei deiner Familie dazu führt, dass du hinterfragst, ob du tatsächlich wieder für die 5 Wochen nach F zurückgehen sollst. In Deutschland zu bleiben wäre der bequemere Weg. Ich würde an deiner Stelle definitiv zurückgehen für die letzte Zeit und versuchen, das Beste daraus zu machen. Bestimmt wächst du daran und bist am Ende froh, diese Entscheidung gefällt zu haben. Traurige Momente in Deutschland wirst du vermutlich noch genügend haben; so etwas gehört bei einer Trennung leider dazu. Nutze die Zeit, ihnen zu entkommen.

Wenn du in Deutschland dazu kommst gehe in einen Buchladen und stöbere mal nach Achtsamkeitsliteratur. Sie hilft dir dabei, dein Leben bewusst wahrzunehmen wie es gerade ist - und dabei besonders auf die schönen Momente zu achten, die so zahlreich um dich herum sind. In Stressphasen, zu denen auch Trennungen gehören, tendieren wir Menschen dazu, Trübsal zu blasen. Achtsamkeit ist da ganz wichtig, damit man sich den schönen Dingen nicht verschließt und sich immer wieder vor Augen führt, wieviel Schönes um uns herum geschieht. Es gibt z. B. kleine Achtsamkeitskärtchen mit Aufgaben für jeden Tag. Sie lenken deine Aufmerksamkeit ganz gezielt zu positiven Dingen und lösen deine schweren Gedanken. Ich könnte mir vorstellen, dass sie dir dabei helfen, über die traurigen Phasen besser hinweg zu kommen und deinen Blick für das Schöne zu öffnen. Einen Versuch wäre es wert!

Liebe Grüße und alles Gute für dich
Sabine

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Hallo Sabine,
Vielen Dank für deine Antwort.

Ich habe eine schöne Zeit in Deutschland verbracht und bin seit gestern wieder zurück in Frankreich. Eigentlich bin ich sehr positiv auf die letzten 5 Wochen hier zu gegangen und möchte sie bestmöglich nutzen. Im Nachhinein werden sie bestimmt super schnell um sein. Trotzdem wechselt meine Stimmung ständig, dass war auch schon vor Weihnachten so. Ist das normal während eines Auslandsaufenthalts?

Ich wollte während Weihnachten aus mehreren Gründen nach Hause: Zum einen ist meine Gastfamilie halb deutsch, dass heißt sie sprechen auch alle die meiste Zeit deutsch, deswegen hätte ich keine französischen Traditionen erleben können. Außerdem ist in der Familie nicht sehr viel Harmonie und sie sind zu Silvester nicht mal bis Mitternacht auf geblieben. Weihnachten ist nichts besonderes für die Familie. Ich hätte die zwei Wochen die meiste Zeit alleine verbracht. Und ich überstehe ja schon kaum die zwei Tage Wochenende ohne stundenlange Heulkrämpfe. Außerdem brauchte ich die Vergewisserung, dass in Deutschland noch alles normal ist. Ich weiß, dass es nicht optimal ist zwischendurch nach Hause zu fahren, aber ansonsten hätte ich vermutlich abgebrochen.

Die Freunde kann ich leider auch nicht mit dem Bus erreichen, da es keine Busse am Wochenende gibt.

Zu deiner Frage nach der Angst: Ich fühle mich vor allen an den Wochenenden sehr alleine und habe ständig wechselnde Stimmung was mich sehr belastet.

Ich versuche mich auf das schöne zu konzentrieren und freue mich auch auf die nächsten 5 Wochen. Trotzdem habe ich ständig Phasen in denen ich einfach nicht nach vorne schauen kann. Vermutlich ist das normal während eines Auslandsaufenthalts, oder?

Ein schönes neues Jahr
Viele Grüße
Luna