Hey,
so, jetzt bin ich schon 6 Wochen in Frankreich und mir gehts immer noch nicht gut…Ich frage mich, was ich hier eigentlich soll, habe unglaublich Heimweh weil ich bei jeder noch so banalen Sache an mein Daheim denken muss ( z.b. wenn ich ein Auto wie unsres seh).
Außerdem ist meine beste Freundin auch in Frankreich( auch seit 6 Wochen), die hat schon fast einen Freund, macht jedes Wochenende mehrmals was mit Freunden, liebt ihre Familie hier total und ist einfach nur glücklich hier. Ich freu mich natürlich echt für sie, dass es ihr anders geht als mir aber ich fühl mich auch einfach wie eine riesengroße Versagerin. Ich mag meine Familie hier, so ists nicht, aber eben nur so, dass ich sie eben mag und mit ihnen klarkomme. Außerdem bin ich froh, wenn ich in den Pausen mit jmd aus meiner Klasse sein kann weil sie mich am Anfang alle ignoriert haben und mittlerweile antwortet schon mal jemand, wenn ich was frage. Aber dass ich Freunde finde, davon bin ich 10000km weit weg…Ich versuche ja auf die Leute zuzugehen aber wenn entwerder keine oder nur ne einsilbige, nicht wirklich freundliche Antwort kommt, macht das eben auch entsprechend fertig…
Im Grunde wäre ich einfach am liebsten daheim und hätte das alles nie gemacht. Gehts irgendjemandem genauso? Oder bin ich wirklich eine riesige Versagerin? ![]()
Mit Freunden finden ist das nicht immer ganz einfach. Ich habe eine Freundin, die gerade in den USA ist, und die hat auch sehr schnell Anschluss gefunden. Mir ging es am Anfang wie dir, ich wurde zwar nicht direkt ignoriert, hatte mir das Ganze aber wesentlich einfacher vorgestellt. Mittlerweile habe ich eine Menge Freunde und das kam ganz plötzlich, einfach so. Ich denke, das hängt mit mehreren Dingen zusammen. Erstens, mit der eigenen Persönlichkeit. Ich z.B. bin eher ein ruhigerer Mensch, ich gehe zwar auf andere zu, aber texte die eben nicht gleich zu, wenn du verstehst wie ich meine. Und jeder ist auch wieder anders, wenn es darum geht, sich in einem fremden Land, einer fremden Kultur und einer fremden Familie einzuleben und darum solltest du dich auf keinen Fall unter Druck setzen. Vergleiche dich nicht, mit anderen, denn jeder ist anders und darum wird auch jeder ATS ein ganz und gar individuelles Jahr erleben. Viele ATS finden erst nach 3-5 Monaten richtig gute Freunde, das ist überhaupt nicht schlimm. Du brauchst deine Zeit, du musst so viel leisten, denn ein ATJ ist gerade am Anfang nicht einfach. Und hinzu kommt ja auch noch, dass du die Sprache nicht perfekt sprichst. Du brauchst vielleicht einfach mehr Zeit, die richtig einzuleben, als deine Freundin. Und wenn du noch nicht so ganz warm bist mit deiner Familie, heißt das nicht, dass das nicht noch werden kann. Ihr werdet so viel zusammen erleben und so viel Zeit miteinander verbringen, dass da sicher noch eine richtige Beziehung entstehen wird. Vielleicht muss sich deine Gastfamilie auch erst noch richtig an dich gewöhnen, dich erst noch richtig kennenlernen. Aber das kommt alles ziemlich sicher noch.
Zweitens hängt es sicher auch mit den Schülern in deiner Schule bzw. Klasse zusammen. Hier an meiner Schule gibt es ein paar echt nette und offene Leute, aber eben auch welche, die überhaupt nicht interessiert sind. Am Anfang ist das schwierig, sowas herauszufinden und zu lernen, wie man auf welche Leute zugehen muss.
Lange Rede kurzer Sinn… Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass du absolut kein Versager bist. Ein ATJ ist nicht einfach, aber gerade aus den schwierigen Situationen kann man unwahrscheinlich viel lernen. Ich selbst denke, dass ich in den paar Wochen, in denen ich jetzt hier bin, schon viel offener und selbstbewusster, was neue Kontakte angeht, geworden bin. Und am Ende deiner Zeit in Frankreich wirst du deine Entscheidung, ins Ausland gegangen zu sein, mit großer Sicherheit als positiv ansehen. Selbst, wenn du nicht die besten Freunde dort gefunden hast und selbst, wenn du nicht „das beste Jahr deines Lebens“ hattest. Setze dich jedenfalls nicht unter Druck und vergleiche dich nicht. Du wirst DEIN Jahr erleben und DEINE Erfahrungen machen, dich weiterentwickeln und die Welt und dein Leben mit anderen Augen sehen.