Schule in NZ gibt Arbeiten nicht heraus

Hallo allerseits, wir haben gerade ein kleines Problem. Meine Tochter und die anderen deutschen ATS haben jetzt am Ende ihrer Auslandszeit darum gebeten, Kopien ihrer zensierten Hausaufgaben, assessments, internals mit nach Hause nehmen zu dürfen. Da die Austauschzeit ja (meines Wissens) generell in Deutschland bisher nicht anerkannt wird, fanden sie es doch schön zumindest nachweisen zu können, was sie in dieser Zeit gemacht haben, sei es auch nur für sich selbst. Zum Teil waren da sehr aufwändige Arbeiten drunter, biologische Feldexperimente, Literaturinterpretationen, aber auch Mathetests (weniger anspruchsvoll^^). Die Fachlehrer waren alle dazu bereit, die director of internationals stellte sich jedoch quer, flippte regelrecht aus und wies alle Lehrer per email an, die Arbeiten nicht zum Kopieren rauszugeben. Jetzt sind die Mädels wild entschlossen die Schulleiterin einzuschalten. Ich wollte daher mal hier anfragen, ob es hier im Forum positive oder negative Erfahrungen damit gibt und im letzteren Fall, welche Gründe es haben könnte, dass hier die Herausgabe abgelehnt wird. Ich zermarter mir gerade den Kopf nach dem warum und mir fallen im Moment nur lauter unschöne Gründe ein;).
Liebe Grüße
Gabi

Hallo Gabi

Hmm das ist natürlich nicht so toll. Also, warum das (prinzipiell) so gehandhabt wird, kann ich Dir schon erklären. Ich muss dazu allerdings etwas ausholen:

In Neuseeland haben sie das NCEA (National Certificate of Education), ein Standardsystem das im Ganzen Land gilt. Dieses NCEA gibts im Level 1, 2, und 3. Je nach Altersstufe schreibt man dann am Ende des Schuljahres die entsprechenden Prüfungen, und zwar Neuseelandweit zur selben Zeit (zumindest theoretisch). Da die Prüfungen auch im ganzen Land absolut identisch sind, soll so verhindert werden, dass einige von Kameraden in andern Landesteilen bereits über die Prüfungen informiert sind.

Zusätzlich zu den Jahresendprüfungen, gibt es während des Jahres auch immer wieder Arbeiten, welche für das NCEA zählen. Diese sind i.d.R. sehr aufwändig (wie du beschrieben hast), und werden prinzipiell nicht an die Schüler herausgegeben - damit so wenig “Vorbereitungsmaterial” für kommende Jahrgänge vorhanden ist wie möglich…

Da Austauschschüler ja wie normale einheimische Schüler behandelt werden, haben sie logischerweise eigentlich auch keinen “Anspruch” auf diese Prüfungen. Allerdings habe ich an meiner Schule auch nachgefragt, diese internals (vor allem eines vom Englisch) kopieren zu dürfen. Die Englischlehrerin hat mir damals aber sogar das Original gegeben, “da ich ja sowieso nicht da wäre für die NCEA Abschlussprüfungen und das deshalb ja auch nicht relevant wäre”.

Rein argumentativ und sachlich gesehen, gibt es aus meiner Sicht absolut keinen Grund diese Arbeiten nicht als Kopie - oder sogar im Original - an die ATS am Ende ihres Aufenthalts abzugeben. Wie Du geschrieben hast, ist von vielen ATS sicher viel Arbeit dahinein geflossen. Gleichzeitig sind diese Arbeiten nicht nur schöne Erinnerungen an die Zeit in Neuseeland, nein sie sind eben auch ein guter Beweis, dass man - entgegen der landläufigen Meinung ATS seien sowieso faul in der Schule und würden nichts leisten weil sie ja nicht müssten - eben doch mehr gemacht hat, als sich nur zu langweilen in der Schule.

Ich würde auf jeden Fall auch dafür kämpfen. An welcher Schule ist denn deine Tochter und wie gross ist die Schule? Falls es eine kleinere Schule ist, wo die Schulleiterin die ATS kennt, dann ist sie sicher der Ansprechpartner. Bei grösseren Schulen gibt es dann aber auch deputy principals also Vize-Rektoren, welche alle einen Aufgabenbereich haben. Bei so einer Schule wäre dann auch der deputy principal zuständig für die Schülerschaft ein guter Ansprechpartner.

Falls die Mädels noch jemanden von den student reps (oder gar das student head girl oder student head boy), oder einen Departementsvorstehenden Lehrer auf ihre Seite ziehen könnten, würde das der Argumentation sicher noch helfen.
Hat denn die director of international students ihre negative Entscheidung begründet?

Grüsse
Michael

Hallo Michael, danke für die schnelle Antwort. Die Schule meiner Tochter ist die St Hildas´ Collegiate School in Dunedin, eine eher kleinere Mädchenschule mit 400 Schülerinnen, eine decile 10-Schule, die eigentlich als recht anspruchsvoll gilt. Leider hat dort gerade die sehr gute und anerkannte Schulleiterin gewechselt und die neue wird vielleicht noch nicht die nötige Souveränität haben, die Entscheidung der „alteingesessenen“ director of internationals in Frage zu stellen. Vor allem, wenn es sich dabei um eine feste Regel handelt. Dennoch bin ich auch der Meinung, dass es einen Versuch wert ist und die entsprechenden Argumente der Mädels könnten vielleicht überzeugen. Die Begründung klang über Skype heute sehr diffus. Die d.o.i. meinte, sie wären kein Dritte-Welt-Land und damit kann ich nun überhaupt nichts anfangen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Tochter oder eine ihrer Freundinnen beleidigend sein wollten. Aber vielleicht bestand in der Tat die Sorge, dass Themen oder Ergebnisse weitergereicht würden. Leider fiel kurze Zeit später bei meiner Tochter das Internet mal wieder aus, so dass ich nicht mehr nachfragen konnte. Aber es war wohl auch hier so, dass die Schülerinnen ihre zensierten Arbeiten nicht mal mit nach Hause, also zu ihrer Gastfamilie, mitnehmen durften. Bei Prüfungs relevanten Arbeiten verstehe ich das ja noch teilweise – unsere Abiklausuren haben wir auch nicht bekommen - aber Hausaufgaben? Wenn ich jetzt so recht darüber nachdenke, finde ich das eigentlich bei Abiklausuren auch nicht in Ordnung.
Liebe Grüße
Gabi

Hallo Gabi

Ich denke es wird sich dabei sicherlich um die sogenannten internal credits handeln. Das sind Arbeiten die man manchmal zu Hause machen kann und dann einreicht, manchmal aber auch nur ausschliesslich in der Schule daran arbeiten darf. So mussten wir z.B. einmal eine Kolumne war’s glaub ich schreiben. Wir hatten dazu 12 Lektionen Zeit, am Ende jeder Lektion wurden sämtliche Notizen, Arbeiten, etc. eingezogen und uns zu Beginn der nächsten Lektion wieder ausgeteilt. Dies um sicher zu gehen, dass man wirklich nur während dieser Zeit an der Arbeit schrieb.

Verständlich ist es irgendwie schon, dass solche Arbeiten aufbewahrt werden, wenn es z.B. relevant ist für die Prüfungen Ende Jahr. Das System ist nämlich so, dass jede bestandene Arbeit eine Anzahl Credits gibt. Dassselbe gilt für eine bestandene Jahresendprüfung. Entscheidend ob Du den entsprechenden NCEA Level passierst und ein Diplom erhältst, ist dann am Jahresende das Gesamttotal der erhaltenen credits. Das funktioniert im Prinzip also wie bei uns die Universität.

Aber wie gesagt, als Austauschschüler nimmt man ja nicht an den Jahresendprüfungen teil. Die Argumentation sollte m.E. vielmehr in diese Richtung zielen, dass mit diesen Arbeiten (zusammen mit einem evtl. erhaltenen Zeugnis, bei mir gabs’ das noch) in Deutschland ja die gute Arbeit belegt haben kann. Ich finde, die Schule sollte doch eher stolz sein, dass es ihnen gelungen ist, den ATS so ein gutes Umfeld zu bieten, dass auch diese (notabene in einer fremden Sprache!!!) sehr gute Leistungen erbracht haben, auf die sie so stolz sind, dass sie diese eben nach Hause nehmen möchten!

Was sagen denn andere Lehrkräfte dazu? Mit entsprechendem sanftem Druck von Seiten der Lehrerschaft könnte ja die d.o.i evtl. umgestimmt, bzw. bei der Argumentation vor der Schulleiterin überstimmt werden .:wink: Leider kenne ich von meinem relativ grossen Bekanntenkreis niemanden der auf die St.Hildas ging, kann dir also nicht mit “insider Tipps” helfen. Bin aber gespannt wie die Sache ausgeht!

Grüsse
Michael

Gabi, hier in D bekommst du deine Arbeiten auch nicht wieder, wenn die Berichtigung gemacht wurde. Im Gegenteil, die Lehrer laufen doch “Amok”, wenn sie am letzten Schultag noch nicht alle Hefte haben. So weit ich weiss, müssen sie ein paar Jahre aufbewahrt werden!

Aber deswegen es sich mit der Schule verderben :(? Ich weiss nicht, ist es das wert?

Viele Grüsse

Kirsten

Kirsten Du hast natürlich recht mit der Aufbewahrung. Das gilt allerdings für Schüler die dann die Jahresschlussexamen auch machen. Das ist ja hier nicht der Fall, oder?

So wie ich das verstehe, geht es darum vor der Abreise nach Deutschland an Kopien der Arbeiten ran zu kommen. Schliesslich möchte man in Deutschland ja zeigen, was man ein ganzes Jahr gemacht hat.
Ich denke mit einer sachlichen Argumentation sollte man da schon sehr weit kommen. Was würde denn eine solche Kopie in Deutschland der Schule in NZL schaden?

Aber deswegen es sich mit der Schule verderben ? Ich weiss nicht, ist es das wehrt?

Das ist natürlich ein Argument. Andererseits, wenn die d.o.i. deswegen eingeschnappt ist, dann ist die irgendwie auch nicht wirklich so toll, da wäre es mir das „schon wert“, bzw. halt der Kontakt mit ihrh wohl auch nicht mehr so viel wert. Und da es sich ja um ein Anliegen gegen Ende des Schuljahres handelt, ginge es doch bei dem „sich verderben“ höchstens um aufrechterhalten von E-Mail KOntakten, etc.
Und ich denke gerade die Lehrer, etc. (die ja anscheinend das ganze eh kopieren wollten), sollten eigentlich mit dem „Kampf“ der Mädels ja eh kein Problem haben, oder?

Grüsse
Michael

PS: Die andere Möglichkeit wäre natürlich, wenn die Lehrer das ganze einfach „unter Hand“ kopieren würden. Solange Lehrer und ATS dicht halten, merkt das die d.o.i ja eigentlich gar nicht, oder?

Was lernen wir daraus ;)? ATS sollten sich gleich, wenn sie etwas wiederbekommen, Kopien machen :). Was sie haben, haben sie ;).

Viele Grüsse

Kirsten

Hallo Kirsten,
keine Dumme Idee - wobei ich diese Probleme in den USA auch nicht hatte. Da stellt sich aber die Frage: Wo willst du das Kopieren? Es gibt in den USA keine Kopierer, die der Schulöffentlichkeit zugänglich sind, sondern nur welche im Sekretariat (wo man das aus o.g. Gründen wohl nicht machen kann). Und wenn man die Hausaufgaben nicht mit nach Hause nehmen darf? Keine Chance würde ich sagen. Es sei denn, man kommt an einen Scanner im Pc.Raum ran, der nicht überwacht ist…

Liebe Grüße,
Wiebke

@Wiebke: Das ist ein bisschen sehr generalisiert :slight_smile: Meine High School hatte in der Schulbuecherei sehr wohl zwei Kopierer fuer die Schueler, pro Kopie 5 cent.
Und ich koennte mir vorstellen, dass es viele Schulen gibt die das auch haben :wink:

ansonsten kann man sich die Tests zur Not auch per Digicam abfotografieren :wink: (gute Möglichkeit, wenn kein Kopierer zur Hand, oder das Material zu groß für nen Scanner -.-)

Den guten Rat, zumindest alle wichtigen Hausaufgaben vor der Abgabe zu kopieren, kann ich nur ganz dick unterstreichen. Die Idee mit der Digicam hat ja schon fast was Konspiratives, warum nicht, aber Vorsicht zumindest in der Schule, falls hier ein zukünftiger ATS mitliest, das könnte auch mächtig in die Hose gehen. Noch weiß ich nicht, wie es ausgegangen ist, aber ich werde es schreiben. Ich hoffe auch, dass die Mädchen es nicht zum Streit kommen lassen werden und vertraue eigentlich auch darauf, denn es wirft ein schlechtes Licht auf die nachfolgenden deutschen ATS. Allerdings sollten sie auch nicht alles schlucken müssen und zumindest eine einleuchtende Erklärung einfordern dürfen. Ein Zeugnis wird es wohl für die internationals geben. Aber es ging meiner Tochter gar nicht so sehr um die Zensuren, obwohl da in letzter Zeit so einige „excellents“ dabei waren, und ich finde auch, dass sie darauf richtig stolz sein kann, sondern eher darum, was eigentlich thematisch gemacht worden ist während des Austauschs. Das hat zusammen mit den Fotos schließlich auch Erinnerungswert an eine ganz besondere Zeit.
Liebe Grüße
Gabi

Im Nachhinein betrachtet ist es uebrigens wirklich kein grosses Ding, wenn man seine Hausaufgaben NICHT mitnehmen kann. Ich hab ein paar mitgenommen und vor ca. einem Jahr dann mal weggeschmissen, die vegetieren ja doch nur in einer Kiste oder einem Ordner vor sich hin.

Wenn es also nicht klappt: Es ist nicht wirklich dramatisch :wink:

Manche Sentimentalitäten entwickeln sich erst, wenn man ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel hat. Ich bin über viele Dinge froh, die ich aufgehoben habe und ärgere mich nachträglich über manchen Wegwerfanfall, den ich auch von Zeit zu Zeit hatte. Aber da sind die Menschen sicher unterschiedlich, das ist wohl wahr.
Liebe Grüße
Gabi

Naja, aber ob das dann das Abschlusszeugnis (oder zumindest ein Halbjahreszeugnis) oder irgendeine Mathearbeit ist, ist ja dann noch mal n Unterschied.

Ich schmeiss demnaechst nochmal etliche Kisten alten Kram weg, darunter auch “Kindheitserinnerungen”, man kann als Student einfach nicht alles Aufheben zumal ich nichts mehr zuhause gelassen habe. Ich kann nur so viel haben wie ich selber in einen Kleintransporter packen kann :wink:

Darf sie denn Textbuecher oder aehnliches behalten? Es gab doch bestimmt auch Buecher die im Englischunterricht gelesen wurden? Wenn um den thematischen Inhalt des Schuljahres ging ist sowas vielleicht noch hilfreicher als Hausaufgaben :slight_smile:

@The Detroiter, also ich weiß nicht, ob sie Lehrbücher, -hefte oder so behalten darf. Ich denke, die Englisch-Lektüre war von der Schule gestellt und musste wieder abgegeben werden. Das wäre aber über Amazon zu bekommen, wenn auch nicht im deutschen Buchhandel, da es nur einige neuseeländische Schriftsteller zu Weltruhm gebracht haben und in der Schule wurden dann auch (hier und mir) unbekanntere Werke gelesen. In Bio und Chemie gab es, glaube ich, Extra-Arbeitshefte, die vom Schüler erworben werden mussten und die wird sie sicher mitbringen, wofür bei 2 x 23 kg auch noch jede Menge Platz im Koffer sein dürfte. Und in Mathe sind die Kiwis ohnehin Jahre zurück. Das wäre dann höchstens was zum Ablästern;).

Ich denke auch, die Geschichte mit den “internals” ist inzwischen sowieso “gegessen”, da ich bisher nichts Neues gehört habe. Vielleicht nützt dieser Thread dann immerhin ein paar zukünftigen Neuseeland-Anwärtern, die dann wissen, dass sie nur mit ein paar Tricks an diese Arbeiten herankommen.
Liebe Grüße
Gabi

Hallo Gabi,

meine Tochter war bis vor genau einem Jahr in NZ (Kaipara College, Helensville bei Auckland, sie war in Grade 12/13). Sie hat ihre Arbeiten, Lehrbücher, Tests usw. mitbekommen. Hat aber gar nicht alles mitgenommen, da ziemlich viel kg. Hat nur das mitgenommen, woran ihr was lag. Fand ich aber ganz interessant. Sie haben riesengroße DIN A 4-Lehrbücher, in die direkt reingeschrieben wird, jedes wiegt wahrscheinlich 1-2 kg - pro Fach! Sie hatte dort hauptsächlich Bio, Chemie, Englisch, Musik, Kunst und Mathe.

Wahrscheinlich handhabt das jede Schule anders.

Viele Grüße
Sabine

Hallo Sabine, soweit ich jetzt informiert bin, hat sich meine Tochter noch einmal mit der d.o.i. auseinandergesetzt, da die principal gerade auf „promotiontour“ ist um zukünftige internationals anzuwerben. Es ist bei den schriftlichen Tests wohl tatsächlich so, dass man Angst hat, dass die Fragen, die jedesmal dieselben sind, an jüngere Schüler weitergegeben werden. Das ist wohl die Quintessenz. Die Begründung selbst war ziemlich widersprüchlich.
Dennoch hat sie es jetzt geschafft mit Hilfe bereitwilliger Lehrer von einigen Arbeiten Kopien zu bekommen und die letzten hat sie einfach nicht wieder abgegeben. Die Bücher müssen wohl größtenteils an die Bibliothek zurückgegeben werden.

Da man beim Neuseeland-Aufenthalt so gezielt die Schule aussuchen kann, fände ich es übrigens auch ganz spannend hier im Forum Schulberichte zu sammeln. Sind natürlich auch ganz individuelle und subjektive Erfahrungen, da ein gelungener Austausch nur zum Teil von der Schule abhängt, aber vielleicht findet man doch objektive Kriterien und bekommt in der Summe einen ganz guten Qualitätsvergleich für dieses doch recht kostspielige Unternehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass solch eine Sammlung Sinn macht. Für unseren Teil müsste ich allerdings noch bis Dienstag warten um das ganze Informationspaket geliefert zu bekommen;).
Liebe Grüße
Gabi