Interview Constanze Baarlage, TravelWorks: Eltern- + Schülertipps zur Auslandszeit

Interview mit Constanze Baarlage, TravelWorks GmbH, Programmkoordinatorin High School im Gespräch mit schueleraustausch.de. Neben allen Formalien: Wie gehen Schüler und Eltern mental bzw. emotional an die bevorstehende Zeit im Ausland heran? Welche Tipps geben Sie?

Wenn die Buchung einmal getätigt ist, steigt die Spannung auf die genaue Platzierung. Wie können Eltern und Schüler diese Zeit bestmöglich nutzen?

Diese Zeit ist natürlich besonders aufregend. Wir raten Schülern und Eltern, sich vor ab möglichst gut auf die Situation vor Ort einzustellen und vorzubereiten. Je nach gewähltem Gastland und Struktur des Programms ist dies in unterschiedlicher Form möglich:
Im öffentlichen High School Programm der USA sollten die Schüler sehr offen sein und sich vor Augen führen, dass sie von Alaska bis Florida fast überall in den USA ein Zuhause auf Zeit bekommen können. Am besten ist es, sich bewusst darauf einzustellen und nicht seinen Träumen aus US-Fernsehserien hinterher zu jagen – ganz nach dem Motto: „It’s not better, it’s not worse, it’s just different!“ Auf diesen Punkt gehen wir mit Schülern und Eltern auch sehr intensiv während des Vorbereitungsseminars ein.

In Kanada, [URL=“http://www.schueleraustausch.de/forum/forumdisplay.php?f=63”]Neuseeland und [URL=“http://www.schueleraustausch.de/forum/forumdisplay.php?f=47”]Australien können sich die Schüler im Rahmen unseres Programms ganz gezielt eine Schule aussuchen. Sie wissen daher schon relativ genau, was sie vor Ort erwarten wird. Über das Internet kann man genauere Informationen zur Umgebung recherchieren: Wo kann ich (wenn nicht in der Schule selbst) meine Lieblingssportart weiter ausüben? Welche Freizeitmöglichkeiten gibt es im Ort und in der Umgebung? Gerne vermittelt TravelWorks auch Kontakte zu ehemaligen Austauschschülern, die dieselbe Schule besucht haben. So bekommt man Infos aus erster Hand!

Unabhängig von der jeweiligen Programmstruktur steigt natürlich die Spannung hinsichtlich der Gastfamilie: Werde ich Gastgeschwister haben? Wie lebt meine Familie? Wie sieht der Alltag aus? Diese Fragen werden sich in den meisten Fällen erst kurz vor der Ausreise, unter Umständen auch erst nach der Ankunft klären.
SchülerInnen und Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Gastfamilien im Ausland so verschieden sind wie Familien in Deutschland auch. Jede Gastfamilienkonstellation hat ihre Vor- und Nachteile, die „perfekte“ Familienkonstellation gibt es nicht. Ein alleinstehendes Ehepaar in der Großstadt kann ein ebenso liebevolles und abwechslungsreiches Zuhause auf Zeit bieten wie eine sechsköpfige Familie mit fünf Hunden auf dem Land.

Irgendwann ist es dann soweit, der erste Schultag steht vor der Tür. Wie kann und sollte sich der Gastschüler darauf einstellen oder vorbereiten?

In jedem Gastland wird man am ersten Schultag sicherlich erst einmal neugierig beäugt werden. Neben vielen organisatorischen Dingen wie der Zusammenstellung des Stundenplans, der Suche nach den Klassenräumen oder der Abholung der Schulbücher und ggf. Schuluniform lernen die Austauschschüler zum ersten Mal ihre Mitschüler kennen. Ein spannender Augenblick, denn weil die Teilnehmer in den meisten Ländern den Großteil des Tages in der Schule verbringen, bieten sich hier gute Möglichkeiten, erste Freunde zu gewinnen.
Wir raten den Schülern sich unabhängig von Mathe, Naturwissenschaften und Geschichte auch an den meist vielfältigen Freizeitangeboten zu beteiligen. Die Bandbreite an Sport - Kunst- und Musikangeboten ist an vielen Schulen beeindruckend groß. Wenn die Lieblingssportart dennoch nicht angeboten wird, heißt es, etwas Neues oder Landestypisches ausprobieren: Die Gelegenheit Rugby oder American Football zu spielen, Maori Tanz oder Survivaltechniken zu erlernen bzw. an einer japanischen Schülerzeitung mitzuarbeiten, bekommt man in Deutschland so leicht nicht!

Die meisten Mitschüler treten Gastschülern offen und freundlich gegenüber, erstaunt sind ehemalige TravelWorks-Gastschüler allerdings immer wieder, wie wenig die neuen Klassenkameraden über Deutschland wissen. Es mag etwas übertrieben klingen, aber gerade in diesen Situationen haben Austauschschüler die Chance, ihre Botschafterrolle wahrzunehmen und nicht nur selbst im Gastland viel zu lernen, sondern auch mit Vorurteilen und Klischees über Deutschland aufzuräumen.

Verständlicherweise sind Eltern stark in den Bewerbungs- und Vorbereitungsprozess mit eingebunden. Mit einem extra Elternseminar- und Handbuch unterstützt Ihre Organisation dies zudem gezielt. Welche Tipps würden Sie Eltern während der Zeit bis zur Ausreise des Kindes mit an die Hand geben?

Für Eltern ist die Zeit bis zur Ausreise mindestens genau so aufregend wie für die Schüler selbst, denn schließlich gibt man sein Kind in ein fremdes Land sowie in die Hände einer weitestgehend fremden Gastfamilie.

Die meisten Bewerber geben im persönlichen Auswahlgespräch an, dass sie offen für Neues sind und keine Probleme sehen, sich in eine andere Familie zu integrieren. Dabei wissen die wenigsten Schüler vor der Ausreise tatsächlich, was das genau bedeuten kann. Hier sind deshalb auch die Eltern gefragt. Wir raten Eltern, ihren Kindern deutlich zu machen, dass in der Gastfamilie ggf. auch andere Aufgaben anstehen können, die in Deutschland vielleicht nicht vom Kind selbst erledigt werden, z.B. Kleidung waschen, Kochen, das eigene Bett machen etc.
Wichtig ist auch, dass Eltern mit ihren Kindern besprechen, was für Auswirkungen eine andere Lebensweise bzw. andere familiäre Werte auf das persönliche Leben haben können. Viele Gastfamilien sind beispielsweise hinsichtlich der Ausgehregelungen wesentlich strenger. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass Schüler in Deutschland weitaus mehr Freiheiten haben, als es in anderen Ländern der Fall ist.

Eine typische Reaktion wenige Wochen vor der Ausreise ist es auch, dass Programmteilnehmer plötzlich an ihrer Entscheidung für den High School Aufenthalt zweifeln. Wir empfehlen Eltern daher in dieser Situation, mit ihrem Kind noch einmal die Gründe durchzugehen, die zu der Entscheidung für das Austauschjahr geführt haben und die positiven Aspekte aufzeigen. In den meisten Fällen handelt es sich bei dieser Reaktion nur um eine kurzfristige Panik, die dadurch entsteht, dass den Schülern schlagartig bewusst wird, dass es bald losgeht. Das Ausreisedatum, was für die Teilnehmer immer meilenweit entfernt war, rückt plötzlich näher und die Teenager müssen ihre gewohnte Umgebung, Freunde, Schule und Sportverein zurücklassen.

Die elterliche Begleitung des High School Jahres endet ja nicht mit der Ausreise. Wie kann der Kontakt zwischen Eltern und Kindern während des Auslandsaufenthalts am besten gestaltet werden?

Auch wenn es sowohl Eltern als auch Schülern oft schwer fällt los zu lassen, ist genau das besonders wichtig. Wir raten daher, den Kontakt innerhalb der Eingewöhnungszeit auf zwei Telefonate pro Monat zu festen Tagen zu reduzieren. Email, Chat und das Telefonieren über das Internet bieten zwar kostengünstige und einfache Möglichkeiten, den Kontakt aufrecht zu erhalten, können aber auch gerade in der ersten Zeit zu Problemen führen. Schüler, die viel Kontakt zu Deutschland haben, kommen nur schwer richtig im Gastland an, denn sie stehen mit einem Bein immer noch in ihrer Heimat. Heimweh wird so eher gefördert als gelindert. Eltern sollten ihr Kind also durch ein wenig Zurückhaltung dabei unterstützen, im Gastland Fuß zu fassen, und Gastfamilie und lokalen Betreuern vor Ort ihr Vertrauen schenken, dass sich diese best möglich um das Wohl des Kindes kümmern.

Was kann Schüleraustausch im Jahr 2009 bieten, was noch vor einem Jahrzehnt nicht möglich war?

Die Möglichkeiten im Schüleraustauschbereich werden immer vielfältiger. Ziele des Schüleraustauschs müssen nicht unbedingt immer nur „Klassiker“ wie die USA oder europäische Länder sein, auch wenn die USA weiterhin das Gastland Nummer 1 sind.

Darüber hinaus gibt es in den einzelnen Ländern immer mehr Möglichkeiten, seinen Aufenthalt den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben anzupassen. In den USA ist es mittlerweile durch das Privatschulprogramm möglich, sich eine Schule direkt auszusuchen, die den eigenen Vorstellungen hinsichtlich Lage, Fächerangebot und Freizeitaktivitäten entspricht. Gleiches gilt für Australien, Neuseeland oder Kanada. Auch exotische Länder sind immer mehr auf dem Vormarsch – kurzum: Schüleraustauschprogramme bieten mittlerweile für jeden individuelle und maßgeschneiderte Angebote, während die Auswahlmöglichkeiten vor einigen Jahren noch vergleichsweise begrenzt waren.

Weitere Informationen zu den Schüleraustauschprogrammen von TravelWorks unter Tel. 02506-8303-600, highschool@travelworks.de oder [URL=“http://www.schueleraustausch-international.de”]www.schueleraustausch-international.de.