Erwartungen Eltern vs. Erwartungen ATS

Das hab ich auch schon oft gehört…

Hi LazLor, den Gedanken verstehe ich total, dass die Eltern immer die Ersten sein sollten die hoeren wenn was schief laeuft. ABER - es gibt bei den meisten Organisationen eine sogenannte “Chain of Communication”, bei der Eltern zuhause ziemlich weit hinten in der Liste stehen. Warum, versuche ich mal anhand eines Beispiels zu erklaeren (das uebrigens nicht dramatisiert ist und so tatsaechlich passiert!):

Schuelerin Anna kommt in den USA an, versteht sich super mit der Gastfamilie. Die erste Woche laeuft prima, die Schule gefaellt ihr, das Essen wird erstmal immer gemacht und in der Schule gibts Lunch. Am Wochenende sagt die Gastfamilie “If you’re hungry, help yourself at the fridge”. Anna weiss nicht das fridge Kuehlschrank heisst und traut sich nicht nachzufragen. Am Abend, sie hat kaum was gegessen weil sie sich nicht getraut hat zu fragen warum es kein Essen gibt, ruft sie ihre Mutter zuhause an und sagt das sie hier nichts zu essen bekommt. Die Mutter ruft entzuernt die Organisation in Deutschland an, in was fuer eine schreckliche Familie ihre Tochter geraten sei! Die Organisation benachrichtigt die Partnerorganisation in den USA, diese ruft den Lokalen Betreuer an, der ruft dann die Gastfamilie an die total verbluefft ist und gar nicht weiss was los ist. Die Familie erklaert dann Anna was sie meinten und das sie am Wochenende meist nicht zusammen essen, sondern sich jeder selbst was nimmt. Alles paletti.

Dieses Szenario haette auch so aussehen koennen: Anna ruft am Abend ihren Lokalen Betreuer an, der spricht mit der Gastfamilie, und die Sache ist nach zwei Gespraechen geklaert. Die Eltern zuhause muessen nicht in Panik verfallen und es vergeht nicht noch ein Tag bis das geklaert ist.

Das ist tatsaechlich so passiert, den Namen hab ich natuerlich geaendert :wink: Das mag einem vielleicht erstmal nicht glaubwuerdig erscheinen, weil wir hier alle ja prima Englisch sprechen, aber wenn man sich mal an die Unsicherheit am Anfang des Jahres zurueckversetzt…

Wenn es natuerlich etwas schwerwiegendes ist wie Krankheit, Todesfaelle, oder aehnliches, steht die Familie zuhause ganz oben auf der Liste. Aber bei Problemen mit der Gastfamilie, der Schule oder dem Lokalen Betreuer sollten immer genau diese drei Instanzen ganz oben stehen, dann der Regionale Betreuer, die Organisation, Freunde. Viele Probleme sind einfach nur Kommunikationsprobleme und koennen aus der Welt geschafft werden ohne das man seine Eltern in unnoetige Sorgen und Panik stuerzen muss :slight_smile:
Mit dem “wenn man nix hoert, ist alles okay”, das praktiziert meine Familie immer wenns an Reisen geht. :smiley:

@Hamburger Deern: Wie laeufts denn jetzt mit deiner Tochter, wird immer noch so brav gewaschen, gespuelt und Danke gesagt? :smiley: Sorry, dass dein Thread irgendwie missbraucht wird… vielleicht sollten wir mal einen neuen Diskussionsthread aufmachen :wink:

Danke TheDetroiter, genau dass meinte ich! Offenbar habe ich mich etwas verwirrend ausgedrückt. Bin der Meinung, dass Eltern einem/einer 16jährigen, die/der ATS sein MÖCHTE ( und sowas ist ja wohl jeder freiwillig :wink: ) eine gewisse Selbstverantwortung zugestehen sollten. Nur weil keine möglichst wöchentlichen Positivberichte eingehen, heißt es nicht, dass es schlecht läuft!

Falls Katastrophen eintreten, dann s.o. !

Upps! Hab dass mit dem anzeigen eines Zitats wohl noch nicht ganz verstanden :wink:

es fehlt die schließende eckige Klammer beim ersten „quote“ - so:

[quote=TheDetroiter;3381]

kannst du ja noch nachträglich ändern :slight_smile:

Hi,

ahnst Du es? Meine Tochter ist wieder zu 100% zuhause angekommen. Sprich: es werden ohne zu murren nur die eigenen Aufgaben übernommen und Extraaufgaben erst einmal diskutiert. Sie hat auch schon wieder ihre Macke angenommen, nicht wie abgesprochen zum Essen zu kommen oder wenigstens zwischen Schule und Verabredung kurz zuhause reinzuschneien. So gab es dann gestern schon die erste Standpauke, dass ich kein Hotel mit durchgängig warmer und kalter Küche bin und sie, wenn sie sich zum Essen anmeldet, auch erscheint oder wenigstens absagt. Also im Westen überhaupt nichts neues :smiley:

Neulich hat sie verkündet, sie würde in den Ferien mit Freunden noch London fahren. „Aha“, hab ich gemeint, „hast du vor dieser Entscheidung nicht etwas vergessen?“… großes Erstaunen… Erklärung von mir:„Meines Wissens nach bist Du mit 16 noch minderjährig und somit steht es Dir gut zu Gesicht, mich in derartige Planungen mit einzubeziehen.“ Antwort vom Kind:„Auf die Erklärung, warum Du mich 1 Jahr in die USA, aber kein Wochenende nach GB lassen willst, bin ich jetzt echt gespannt.“ Ich mein, eine große Klappe hat sie ja schon immer gehabt, aber so geht es dann ja doch nicht. :eek:

Nicht, dass mich jemand falsch versteht, sie drückt das nicht mit aller Gewalt durch. Auf ihr Verhalten angesprochen, ist sie total zerknirscht und gelobt Besserung. Aber von alleine kommt sie grad nicht drauf, sich abzusprechen.

Wart Ihr ATS eigentlich nach der Rückkehr nach D auch der Meinung, von nun an schalten und walten zu können, wie es Euch gefällt? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Gasteltern so ein verhalten tolerieren?!

Gruß
Antje

Hmm… vielleicht ist deine Tochter hier mit mir verwandt :smiley: Mir ging’s damals ähnlich, man gewöhnt sich halt manchmal etwas schnell wieder ans „Hotel Mama“. Bei mir zu Hause hat sich das aber nach ner Weile eingependelt und wir haben einen einvernehmlichen „Kompromiss“ gefunden :wink:

prust Also ich musste jetzt schon lachen wo ich die Antwort deiner Tochter gelesen habe. Stelle mir das vor allem so ca in einem schnippischen Ton mit verschränkten Armen und einem belustigten Blick oder so vor g
Allerdings hast Du natürlich vollkommen recht, so geht das natürlich nicht. (Das ist ihr ja sicher mittlerweile auch klar geworden) und das müsst ihr sicher auch klarstellen. „Informiert und in die Entscheidungsfindung einbezogen“ sein zu wollen, heisst ja nicht automatisch Ablehnung, gehe ich mal davon aus :slight_smile:

Also ich kenne die Verhältnisse die deine Tochter in den USA hatte ja nicht. Aber ich kann Dir einmal ein paar Überlegungen nennen, woher dieses Verhalten evtl. stammen könnte.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Gasteltern in den USA ihr zum Schluss evtl. ziemlich viele Freiheiten gelassen haben. Einerseits vielleicht weil sie berufstätig waren und schlicht nicht so viel Zeit hatten, bzw. froh waren wenn deine Tochter viele Dinge selbstständig organisiert. Andererseits scheint es aber auch eine generelle Tendenz zu sein, dass wenn man den Gastkindern einmal vertraut, man diesen mehr Freiheiten lässt, als man vielleicht früher den eigenen Kindern im selben Altern gegeben hat/hätte.

Deine Tochter ist sich jetzt vielleicht halt gewöhnt, dass sie z.B. generell nicht zum Essen angemeldet ist, oder dass sie vieles selber organisieren muss/darf, und dann eher nur „informieren“ statt fragen muss. Von dieser EInstellung wieder zurück zum „um Erlaubnis fragen bei den Eltern“ zu kommen, ist teil des reverse culture-shock und m.E. eigentlich ziemlich normal.

Du musst Dir das vielleicht so vorstellen: Im letzten Jahr hat die Tochter zwar die Gasteltern regelmässig um Erlaubnis gefragt, das aber z.T. wohl auch weil sie als Gast das Gefühl hatte, das müsse so sein. Dich als Mutter hat sie während dieser Zeit oft nicht gefragt, weil Du ja schlicht und einfach nicht da warst und es in den USA ja streng genommen (bei alltäglichen Dingen) auch Sache der Gasteltern (und nicht deine war), Besuche in der Stadt, etc. zu erlauben oder zu verbieten.

Nun ist sie zurück gekommen und denkt vielleicht, dass sie bei der leiblichen Mutter nicht mehr alles fragen muss, sondern einfach nur noch quasi „informieren“. Wie gesagt, da gilt es, dass ihr das jetzt zusammen ausmacht. Einerseits wäre es sicher toll, wenn Du ihr etwas mehr Freiheiten lässt, als vor dem ATJ (schliesslich ist sie sicher auch „erwachsener“ und selbstständiger geworden), aber wie Du das ja selber schon geschrieben hast, musst Du halt auch einfach klare Grenzen und Regeln aufstellen.

Ich weiss, das war jetzt ein relativ langer Beitrag, und ich bin im Moment auch nicht sicher, ob das was ich eigentlich sagen will, auch richtig hinüberkommt. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Entwicklungen die Du beschreibst, sind - denke ich - relativ normal und werden auch vorbei gehen. Ihr müsst jetzt halt einfach zusammen reden und schauen was für „Regeln“ nun gelten :slight_smile:

Grüsse
Michael

Hallo Michael,

ja, genau so hat sie vor mir gestanden :smiley:

Sie hat schon immer relativ viel gedurft, von daher war sie sich auch wohl ziemlich sicher, dass ich GB erlauben würde. Frech fand ich, dass sie meinte, ich solle froh sein, dass sie es überhaupt erzählt, denn es ist für die sturmfreie Woche in den Ferien geplant und ich hätte im besten Fall gar nichts davon mitbekommen. Das geht mir einfach zu weit, denn letztlich habe ich immer noch die Verantwortung für sie.

Gottseidank kann ich ihr wirklich vertrauen. Selbst wenn sie mal Mist baut, übernimmt sie Verantwortung und bügelt das auch selber wieder gerade.

Ich muss gestehen, dass ich ihr gegenüber etwas unsicher war, in wie weit ich ihr noch Einschränkungen auferlegen soll, bin aber nach langen Gesprächen mit meinem Mann zu dem Entschluss gekommen, es wie vor dem ATJ zu halten: Solange die Leistungen in der Schule stimmen, genießt sie relativ viel Freiraum. Unter der Woche ist sie spätestens um 22 Uhr zuhause, am WE entweder um Mitternacht oder sie übernachtet bei Freunden, von denen wir die Adresse für den Notfall kriegen. Ansonsten stehe ich auf dem Standpunkt, dass sie im Sept. 2009 volljährig wird und ich/wir bis dahin eher korrigierend statt erziehend eingreifen.

Ihr Problem ist, glaube ich wenigstens, dass sie sich - wie sie sagt - richtig alt fühlt. Und wer sich alt und somit erwachsen fühlt, der braucht natürlich auch nicht mehr fragen. Wobei es mir weniger ums Fragen, denn um Absprachen und das Einhalten derselben geht. Vorgestern hat sie mir so zwischen Tür und Angel mitgeteilt, dass sie sich übernächstes Wochenende bei einer Freikirche (ähnlich ihrer in Amerika) taufen lassen will. Da hab ich schon ganz schön geschluckt, dass ich das so nebenbei erfahre mit dem Satz “du musst das nicht gut finden”. Aber so ist das wohl, wenn die Kinder erwachsen werden.:rolleyes:

Gruß und vielen Dank
Antje

Auweia, bei der Geschichte mit der Taufe hätte ich aber auch geschluckt. Zum Glück sind die Gasteltern meiner Tochter genauso atheistisch wie wir, so dass uns solche Überraschungen wohl erspart bleiben. Ansonsten bleibt uns eben auch nur darauf warten (und hoffen), was da so an Neuem zurückkommt.

Gabi

So war das damals bei mir auch! Ich habe nahezu komplett die ganze Organisation übernommen, angefangen beim Infos suchen, Unterlagen zusammensuchen, Bewerben, Kontaktieren meiner Mitfahrpartner für den Abflug; Termine ausmachen und Orga aussuchen war natürlich in Absprache mit den Eltern, aber ansonsten war das wirklich meine Sache - musste ja auch meine Eltern immerhin davon überzeugen, dass ich das wirklich machen will …

Nun aber back to topic:
@HamburgerDeern: Wir haben es wohl alle geahnt, dass diese Phase nicht lang anhält. :wink: Wenn ich mich zurückerinnere, bei mir war es ähnlich. Ich habe meiner Mom schnell wieder die Hölle heiß gemacht und in der Küche nur noch meinen Teller aufgeräumt … :rolleyes:
Ändert sich aber auch wieder.
P.S.: Ich denke, es wird gut sein, wenn du ihr wieder „bekannte“ Regeln gibst, an die sich halten kann. Dann weiß sie woran sie ist und du kannst sie ja von Zeit zu Zeit lockern - so oder ähnlich war das auch bei mir. Wobei ich nach dem Jahr auch noch viel selbstständiger war als vorher schon (war damals aber auch schon 18 als ich zurückkam).