Erwartungen Eltern vs. Erwartungen ATS

Also Fotos sind ein MUST HAVE!!!

Ich finde, man macht das Jahr immernoch fuer sich selbst und nicht fuer die Familie - wenn man nichts davon haelt, bestimmte Dinge auf Film festzuhalten, sollte man sich auch nicht dazu gezwungen fuehlen nur weil Familie Fotos sehen will.
Ich fotografiere auch nicht alles und jeden und schon gar nicht staendig mich vor irgendwelchen bedeutenden Bauwerken oder sonstwas - und bei den meisten Fotos mit Freunden steckt ja doch irgendeine Story dahinter, die man dann wieder erzaehlen muss, vielleicht Dinge die die Eltern nicht verstehen wuerden…

@HamburgerDeern: Wir hatten hier im Buero vorgestern einen Anruf von einer deutschen Familie, die ihre Tochter am Flughafen tatsaechlich nicht erkannt haben. Das fand ich grandios. Ihr wart das aber nicht, oder? :smiley:
Das man erstmal ganz viel hilft, selber waescht usw ist normal weil mans eben ein Jahr lang so gemacht hat, leider haelt das aber meistens nicht ewig an. Man lebt sich irgendwann eben doch ins “alte Leben” wieder ein, jedenfalls bis zu einem bestimmten Grad.

Und ein gewisses “Heimweh/Fernweh” zum Gastland hab ich immer behalten. Dagegen bin ich jetzt seit 1 Monat wieder drueben und hab keinerlei Heimweh nach Deutschland. :smiley:

Da muss ich dir mal total zustimmen, Franzi!!
Es war bei mir ziemlich schwierig, vor allem meiner Mum klar zu machen, dass das eben MEIN Jahr war, nicht ihres. ANdauernd kam irgendwas (entweder während des Jahres per Mail, oder halt danach mündlich) von wegen „Ich will Fotos sehen“ „Warum lässt du uns nicht Teil deiner Erfahrung in den USA sein?“ (ganz einfach: Weil da die deutschen Eltern nicht wirklich reinpassen, sie sind ja schließlich in Deutschland! Und das Jahr ist auch ohne Stress von denen schwer genug an manchen Tagen)
Ich kann nur sagen, dass meine Mum teilweise total entteuscht war beim Fotosanschauen, weil echt nur „Mist“ (in ihren Augen) drauf war. Hehe - vor allem an das eine Mal erinnere ich mich gut… Da hat sie micht ganz entgeistert gefragt, warum ich so oft einen Baum fotografiert habe… Ganz einfach .- war mein Lieblingsbau. :smiley: (der stand direkt vor dem Fenster - das war immer so mit das Erste, was ich jeden Tag gesehen habe)

naja - vondaher ist es vielleicht auch für die zurückgelassenen Eltern ein Schritt, den sie gehen müssen, indem sie nicht immer andauernd von ihrem Sprössling hören wollen - normalerweise meldet er/sie sich ja von alleine ab uns zu - und manchmal wird er/sie auch mal Fotos zeigen, wenn das Bedürfnis besteht, sie zu zeigen.

Wenn ich manchen Beitrag hier lese, tun mich ehrlich die Eltern Leid. Aber wahrscheinlich ernten sie nur, was sie gesät haben, nämlich einen ungenierten Egoisten. Was heißt, ihr macht das Jahr nur für euch und nicht für eure Familie? Ich glaube kaum, dass eure Familie etwas anderes von euch verlangt. Aber zum Erwachsenwerden gehört es auch, emotionale Reife zu erlangen, Empathie oder Einfühlungsvermögen in die Gefühle anderer. Ihr seid schließlich immer noch ein Teil dieser Familie, die euch selbstlos diese Entwicklungsmöglichkeit im Ausland geboten hat und die mit Recht wissen möchte, wie es euch geht. Das ist keine kleinliche Neugierde, sondern geht viel tiefer. Für die Eltern ist es sehr schwer, euch in diesem Alter loszulassen. Aber sie tun es, weil sie glauben, dass es euch weiterbringt. Sie vermissen euch schrecklich und sind für jede Meldung dankbar. Wenn ich jetzt lese, dass es von manchem (Sohn?) sogar zu viel verlangt ist, Zeit, Gedanken und Erklärungsbereitschaft für ein paar Bilder zu „opfern“, kann ich mich nur an den Kopf fassen. Sorry, aber das musste jetzt raus!
Gruß Gabi

Gabi, ich war ehrlich gesagt auch erschrocken und habe genauso gedacht wie du :(. Schliesslich sind wir es doch, die die Opfer bringen und ihnen dieses Jahr finanzieren. Dafür, denke ich, können die Kids ihre Eltern ruhig ein bisschen teilhaben lassen, indem sie Fotos machen und sie uns zeigen :(. Ich finde nicht, dass das zuviel verlangt ist!

Viele Grüsse

Kirsten

P.S.: Ich durfte und konnte alle Fotos meiner ältesten Tochter sehen, mit Erklärungen hat sie sich aber auch zurückgehalten :(. Aber immerhin: den Omas hat sie alles erklärt :). Da haben wir dann gut zugehört ;).

hi Gabi

ich mag mich in meinem Beitrag etwas krass ausgedrückt haben…
Natürlich hat die Familie ein Recht drauf, dass sich der Spross mal meldet und sie Anteil an seinem Jahr im Ausland haben lässt. Doch ich bin der Meinung, dass das auch irgendwo seine Grenzen haben sollte.
Bei mir hatte ich zum Beispiel ziemich das Gefühl, dass ich von Deutschland her unter Druck gesetzt werde, mich regelmäßig zu melden (da kam dann auch ma ne entsprechende Mail, wenn ich mal ein Wochenende mit Freunden unterwegs war und mich nicht gemeldet habe…)

Ich glaube mit der ganzen modernen Kommunikation ist das ein ziemlicher Fluch heutzutage. Dauernd kann man sich melden (und da die möglichkeit dazu besteht wird das auch verlangt) Manchmal (aber auch wirklich nur manchmal) habe ich echt die Austausch-Pioniere in den 50er/60er Jahren beneidet, bei denen es nur Post und Telefon gab. Bei denen hat es doch offensichtlich auch geklappt!

Naja - wie auch immer - mein AUfruf sollte eigentlich nur sein, dass ihr Eltern nicht zu viel Druck in dieser Beziehung auf eure Kinder im Ausland ausüben sollt - ich glaube dann kommen sie schon von selbst auf euch zu und werden euch berichten.

Danke Gabi,

wollte auch einen Beitrag mit ähnlichem Inhalt schreiben, aber du warst schneller :wink:

Finde es auch recht egoistisch von “meinem” Jahr zu sprechen! Ich hoffe sehr, dass meine Tochter bereit sein wird ihre hoffentlich gemachten Fotos uns auch zu zeigen.

Ich frage mich, warum Die ATS nicht bereit sind ihre Erlebnisse ihren Eltern mitzuteilen. Schließlich freuen sich doch die Eltern wenn ihre Kinder ein schönes Jahr hatten. Für mich gehört dann auch dazu, dass sie ein bisschen daran teilhaben können. Hätte nie gedacht, dass es ATS gibt die dazu nicht bereit sind.

Schließlich haben die Eltern ihnen dieses Jahr ermöglicht und sicher haben nicht wenige Eltern aufgrund der hohen Kosten für sich selbst auf vieles während diesem Jahr verzichtet. Auch haben Eltern sich selbst sehr zurück genommen um die Kinder in diesem Jahr los zu lassen. Auch das ist sicher vielen sehr schwer gefallen aber sie haben es schließlich gern getan und sind über ihren Schatten gesprungen um ihren Kindern die Freiheit zu geben dieses Jahr erleben zu können.

Eltern erwarten sicherlich keine “Dankbarkeit” aber sicher die Bereitschaft von den gemachten Erfahrungen zu berichten und mitzuteilen!! Muss ja nicht bis ins kleinste Detail gehen. Aber von vorherein zu sagen, dass ist mein Jahr und geht euch nichts an, finde ich total daneben. Da sollten einige vielleicht noch einmal drüber nachdenken!!!

Gruß Geli

Das klingt so richtig nach „zahlen und Schnautze halten“.

Ich glaube, würde meine Tochter sich mir ggü. so verhalten, wäre das ATJ wohl etwas, das ich ewig bereuen würde. Dieses Jahr haben wir unter großen persönlichen Entbehrungen möglich gemacht. Uns Eltern wenigstens durch gelegentliche Anrufe und Fotos an diesem Jahr teilhaben zu lassen, ist ja wohl das mindeste, was ein ATS zurückgeben kann!

Ich empfinde die zitierte Aussage unglaublich kaltschnäutzig und denke, dass hier ein gerütteltes Maß an sozialer Kompetenz fehlt.

Gruß
Antje

Ich habe meinem Vater Bilder gezeigt. Ich erklaere auch gerne mein Scrapbook. Was ich nur nicht gut finde, ist der Druck - das “Was hat denn die Familie davon” das Kirsten postete! (verzeihung wenn das Zitat nicht korrekt ist). Genauso wie es normal sein sollte, das man sich eben NICHT jede Woche meldet.

Da muss man sich als Eltern auch mal an die eigene Nase fassen koennen. Das Kind wird selbststaendiger, und auch wenn es vielleicht manchmal hart ist, muss man doch als Mutter oder Vater auch lernen sein Kind eigene Schritte machen zu lassen. Dazu gehoert auch, selbst entscheiden zu lassen wieviel man erzaehlen und zeigen moechte und ob man sich einmal die Woche oder einmal im Monat (oder noch seltener) meldet. Ich sehe das aehnlich wie Fe203, damals gings auch mit Briefen und ab und zu einem Telefonat. Da gabs auch noch keine Digitalkameras und 500000 Bilder, sondern eben nur ausgewaehlte Fotografien.

Ich finde es toll, wenn sich Elten bei dem Thema engagieren, aber WIR sind es immer noch die das Jahr im Ausland leben, WIR sind es die ganz stark wachsen, und WIR sind es die den Spagat machen muessen zwischen Familie zu Hause gerecht werden und in der neuen Welt einleben. Das Jahr ist definitiv das des Schuelers und ich finde solche Aussagen wie “dann wuerde ich das ewig bereuen” ganz schoen bissig. Schliesslich will ich auch nicht das Gefuehl haben muessen das ich ewig in der Schuld meines Vaters stehe weil er das Jahr bezahlt hat.

Moinsen,

Damit wäre und bin ich völlig zufrieden. Bei uns hatten sich zum Ende hin die Telefonate auf ca. alle 2 Wochen eingespielt. Ist imho auch logisch, denn man hat einfach nicht soviel zu erzählen wie am Anfang des Jahres und reden um des Redens willen ist mehr als flüssig.

Das Kind wird selbststaendiger, und auch wenn es vielleicht manchmal hart ist, muss man doch als Mutter oder Vater auch lernen sein Kind eigene Schritte machen zu lassen.

Also sowas uns Eltern zu sagen, die wir unsere Kinder gerade ans andere Ende der Welt haben ziehen lassen, z. T. mit erst 15 Jahren, löst bei mir eine gewisse Erheiterung aus, denn wirklich passend ist so ein Hinweis gerade bei diesen Eltern wohl nicht, sonst wären ja die Kinder gar nicht erst ins ATJ gegangen?!

Dazu gehoert auch, selbst entscheiden zu lassen wieviel man erzaehlen und zeigen moechte und ob man sich einmal die Woche oder einmal im Monat (oder noch seltener) meldet.

Das sehe ich grundsätzlich anders und habe mit meiner Tochter vor Reiseantritt eine entsprechende Verabredung getroffen: Jede Woche schicken wir uns gegenseitig 1 Mail und 1 Foto und wenn sie telefonieren möchte, ruft sie an und ich dann zurück. Diese Vereinbarung hat sich im Laufe des Jahres als nicht wirklich praktikabel erwiesen, wir haben uns dann aber entsprechend den Gegebenheiten angepasst. Als Großstädter war es für uns gar nicht vorstellbar, dass DSL in den USA nicht zum Standard gehört und wir wochenlang keinen Kontakt über das Internet würden haben können.

Weißt Du, so ein ATJ kostet uns Eltern rund 12.000,00€. Ich finde das einen Haufen Kohle und kann sagen, dass mir selbst der Eigenanteil nach Abzug von Zuschüssen wirklich schwer gefallen ist. Ich bin Alleinernährerin für beide Kinder und mich. Dieses ATJ bedeutete für uns Daheimgebliebene jede Menge Verzicht. Haben wir gerne getan, keine Frage. Von daher finde ich es aber legitim, als Mutter meine Erwartungen an meine Tochter vorher (wichtig!) zu artikulieren und zu besprechen, wie wir es die nächsten Monate halten wollen. Sonst entsteht einfach sehr schnell das Gefühl, nur noch der Zahlemann zu sein und das Kind ansonsten nur zu nerven. Dieses Gefühl möchte ich schlichtweg nicht. Unfair fände ich es, meine Erwartungen/Wünsche nicht vor Reiseantritt zu artikulieren und dann anschließend oder gar mittendrin das Maulen anzufangen. Meine Tochter wusste von vornherein, was ich erwarte und was nicht und es war an ihr zu sagen, ob sie unter diesen Bedingungen fährt oder es bleiben lässt. Ansonsten erwarte ich keinen Dank, sondern dass sie die Chancen, die sie von mir erhält, möglichst effektiv nutzt.

Ich finde es toll, wenn sich Elten bei dem Thema engagieren, aber WIR sind es immer noch die das Jahr im Ausland leben, WIR sind es die ganz stark wachsen, und WIR sind es die den Spagat machen muessen zwischen Familie zu Hause gerecht werden und in der neuen Welt einleben.

Man merkt, dass Du selber noch keine Kinder hast, sonst würdest Du mit den Gefühlen von Eltern nicht so kühl umgehen.

Das Jahr ist definitiv das des Schuelers und ich finde solche Aussagen wie „dann wuerde ich das ewig bereuen“ ganz schoen bissig.

So völlig aus dem Kontext gerissen klingt das natürlich so, da gebe ich Dir Recht. Allerdings ist eine derartige Wiedergabe meines Satzes schon recht manipulativ, findest Du nicht?

Schliesslich will ich auch nicht das Gefuehl haben muessen das ich ewig in der Schuld meines Vaters stehe weil er das Jahr bezahlt hat.

Auch Dein Vater hat aber das Recht, an diesem Jahr teilzunehmen und nicht mit dem Gefühl zu leben, dass sein einziger Anteil daran war, seinen Geldbeuten möglichst weit aufzumachen. Auch Eltern sind Menschen mit Gefühlen, Angsten, Sorgen. Wir haben genau wie Ihr Kinder das Recht darauf, mit Rücksicht und Verständnis behandelt zu werden. Das Leben ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Eltern geben in der Regel gerne, weil sie das Beste für ihr Kind wollen. Und für ein ATJ geben sie sehr reichlich: Jede Menge sauer ersparte Kohle und ein gerütteltes Maß an Herzschmerz, von dem der ATS meistens gar nichts mitbekommen, weil wir ihm das Leben fern der Heimat nicht noch schwerer machen wollen. Davon ausgeschlossen zu werden, indem man 3-4 Mal im ATJ angerufen wird und auf Nachbohren widerwillig das eine oder Foto gezeigt bekommt, haben wir nicht verdient.

Gruß
Antje

Gut gebrüllt Löwe!

Hallo,
ich sehe das genau wie Antje! Jedes Wort!

Allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass die ATS die dieses angemahnte, völlig normale Verhalten ablehnen, möglicherweise nicht allein an ihrer verqueren Sicht der Dinge Schuld sind. Wie hier kürzlich schon jemand angemerkt hat: Wir ernten was wir gesät haben!
Es gibt zwei Ursachen für derart egoistisches Verhalten den Eltern gegenüber: Zum einen massive Erziehungsdefizite zum anderen ein Steckenbleiben im unreifen Pubertätsstadium.
Lg
Birke

@Antje: Du gehst in deinem ganzen Post doch davon aus, dass man das VORHER besprochen hat und BEIDE damit einverstanden sind. Da seh ich das Problem nicht und stimme dir auch zu. Aber ich finde es wie gesagt unfair, solche Aussagen eben nicht vorher zu treffen und dann hinterher beleidigt zu sein weil man nicht so stark beteiligt wird, wie man vielleicht moechte.

@Birke: Entschuldige, aber das geht zu weit. Alle hier die vielleicht nicht jede Sekunde ihres Lebens mit ihren Eltern teilen als unreif, pubertaer und schlecht erzogen darzustellen… Also bitte. Jeder hat eine andere Beziehung zu seinen Eltern. Ich bin mit 16 von zuhause ausgezogen (unfreiwillig) und meine Mutter ist vor 6 Jahren verstorben (da war ich 14). Es hat jeder seine eigene Geschichte - und ich habe lange gekaempft mit meinem Vater wieder eine gute Beziehung zu haben. Und ich kenne viele Menschen in meinem Alter, die keine unproblematische Beziehung zu ihren Eltern haben. Das ist doch einfach normal - man kann doch nicht davon ausgehen das jeder ATS aus einer Friede-Freude-Eierkuchen Familie kommt.

Und Antje, egal wie man es dreht und wendet, egal wie offensichtlich es ist das ich keine Kinder habe (in meinem Alter wuerde ich sagen: gut so), es ist doch dennoch dein Kind, dass das Jahr lebt, und nicht du :frowning: Egal wie sehr man die Eltern teilhaben laesst, wie viele Fotos man zeigt und erzaehlt, wie viel man zusammen lacht und weint, es ist trotzdem noch das Kind, dass in dem Jahr steckt. Und ich finde das sollte man respektieren und nicht hauptsaechlich darauf pochen, dass die Eltern ein Anrecht darauf haben, jedes Erlebnis mitzukriegen. Einmal die Woche ein Foto schicken haette ich damals gar nicht hingekriegt, da haette ich dann wohl meistens irgendwas im Haus oder so fotografieren muessen. :wink: Ich hatte damals auch erst nach nem halben Jahr ne Digitalkamera…

Naja, genug geredet. Letztendlich haben wir einfach voellig verschiedene Ansichten und das respektiere ich auch, mein Jahr war super auch ohne zweiwoechigen Kontakt nach Hause. Ich hab vollkommen im Gastland gelebt und trotzdem hat es viel fuer die Beziehung zwischen mir und meinem Vater getan. Wir haben beide gemerkt das wir zwar gut ohne einander leben koennen und uns auch nicht immer viel zu sagen haben, aber das wir darauf eigentlich nicht verzichten wollen (gut, die Einsicht kam erst vor so 1,5 Jahren :wink: ). Ein ATJ kann eben auf viele Arten und Weisen Vorteile haben! :slight_smile:

=TheDetroiter;3237
@Birke: Entschuldige, aber das geht zu weit. Alle hier die vielleicht nicht jede Sekunde ihres Lebens mit ihren Eltern teilen als unreif, pubertaer und schlecht erzogen darzustellen… Also bitte. Jeder hat eine andere Beziehung zu seinen Eltern. Ich bin mit 16 von zuhause ausgezogen (unfreiwillig) und meine Mutter ist vor 6 Jahren verstorben (da war ich 14). Es hat jeder seine eigene Geschichte - und ich habe lange gekaempft mit meinem Vater wieder eine gute Beziehung zu haben. Und ich kenne viele Menschen in meinem Alter, die keine unproblematische Beziehung zu ihren Eltern haben. Das ist doch einfach normal - man kann doch nicht davon ausgehen das jeder ATS aus einer Friede-Freude-Eierkuchen Familie kommt.
:slight_smile:

Richtig, natürlich sind die Familien unterschiedlich, die Verhältnisse nicht vergleichbar. Hier ging es meiner Erinnerung nach um die ATS, die darauf pochen ihr ATJ nicht „teilen zu müssen“, die darauf bestehen ihre Erlebnisse für sich gemacht zu haben und den Eltern das Recht auf Beteiligung absprechen. Und das ist es was wir Eltern nicht in Ordnung finden.
Ich kenne eine ATS-Mutter, die von ihrem Sohn im ersten halben Jahr nicht mehr als einmal wöchentlich ein dreizeilen Mail mit dem Wetterbericht erhalten hat, und das nur auf ihr Bitten hin. Es war fast ein Affront und sie fühlte sich absolut missachtet und abgeschoben und war extrem unglücklich darüber.
So ein Benehmen muss nicht sein, es zeugt von einem gestörten Sozialverhalten, möglicherweise aus den von mir genannten Gründen entstanden.
Gruß
Birke

Das halte ich für das Optimum im Miteinander, erlebe aber immer wieder, dass Eltern einerseits davor zurückschrecken, Wünsche zu artikulieren, andererseits aber hochbeleidigt sind, wenn ein Kind diese Wünsche nicht intuitiv erahnt.

Bei mir schlagen bei dem Thema klar zwei Seelen in der Brust. Ich bin selber ein Mensch, der dazu neigt sich zu verweigern, je mehr jemand etwas von mir fordert. Ich war aber auch nicht bereit, die Zahlefrau zu geben, die sich ansonsten mit dem begnügt, was Töchting ihr vorsetzt. Da helfen dann nur Absprachen.

Gruß
Antje

Hallo.
Ich habe diese Diskussion die ganze Zeit mitgelesen und mir meine Gedanken gemacht… Nicht, dass ihr das falsch versteht, ich möchte einfach nur einen Denkanstoß liefern…

Beispielsweise möchte ich das Szenario von Birke, wie oben geschildert, einfach mal ins andere extrem umwandeln. Angenommen, wir hätten da einen ATS namens Max (Mustermann). Innerhalb des ersten Halbjahres empfängt die Mutter ständig (sagen wir täglich) dreiseitige Emails. Wäre das ein gestörtes Sozialverhalten? Laut Birke’s Ansicht wohl nicht - es zeugt von einer guten Beziehung zur Mutter. Aus sicht der Gasteltern schon eher: Die Zeit, die Max am PC verbringt, um die EMails zu schreiben, verbringt er nicht aktiv mit seinen Gasteltern, der Schule oder versucht, Freunde zu finden. Ein schlechtes Sozialverhalten, würde ich sagen. Und: mit diesem schlechten Sozialverhalten wirft er meiner meinung nach auch ein schlechtes Bild auf Deutschland.
Das andere „schlechte Sozialverhalten“, das von Birke beschrieben wird, bedeutet zwar für die Mutter „ein schlechtes Sozialverhalten“, für die Amerikansiche Seite hingegen nicht. Dort ist das Sozialverhalten exzellent:
Max versucht, freunde zu finden, beteiligt sich aktiv am Familienleben, tut viel für die Schule, um gute Noten zu haben. Weil er aber so viel tut, steht er jeden morgen um 6 auf, duscht, fährt mit dem Bus zur Schule, hat dort bis halb vier unterricht und treibt anschließend 2-3 Stunden Sport in der Schulmannschaft, um Freunde zu finden. Wenn er dann zu Hause ist, hilft er im Haushalt, guckt mit der Familie etwas fern und isst Abendbrot. Nach den erledigten Hausaufgaben ist es halb 11. Höchste Zeit ins Bett zu gehen, für Amerikansiche verhältnisse, wenn man am nächsten morgen wirder früh raus muss.
Unter der Woche hat Max also kaum Zeit und Energie, seiner Mutter eine Email zu schreiben. Und am Wochenende hat die Familie einen Ausflug zu Verwandten geplant, um Max ein bisschen was zu zeigen und ihm dem Rest der Familie vorzustellen. Natürlich will Max auch am Spiel seiner Mannschaft teilnehmen. Also genausowenig Zeit wie unter der Woche.

Ich glaube, ich habe hier einigermaßen getreu skizziert, wie der Alltag eines ATS aussieht. Ist es da wirklich arrogant, wenn man als ATS denkt: „Ich nutze die Chance, die mir meine Eltern ermöglicht haben so gut es geht, um ihnen meine Dankbarkeit zu zeigen.“ Zeugt das von Egoismus?

Wenn der ATS nach dem Jahr schließlich wieder zu Hause ist, taucht er in eine „neue alte Welt“ ein. Wie hier im Forum schon mehrfach beschrieben wurde, ist das für den ATS nicht immer ganz einfach. Ständiges Bildergucken kann da schon das „Heimweh“ nach dem Austauschland verstärken. Und ist es da wirklich so egoistisch, wenn man das nicht direkt zeigt, weil man seine Eltern auch lieb hat und ihnen nicht das Gefühl geben will, dass die Gasteltern auf irgendeine Art „besser“ waren, sondern einfach mal ablehnt, Bilder anzuschauen? Oder ist es schlimm, dass man auch mal keine Lust hat ständig alles „selbstverständliche“ zum tausendsten Mal zu erklären? „Das ist das Bild von der Prom, dem Abschlusstanz, an dem Juniors und Seniors teilnehmen. Junior und Senior sind die Bezeichnungen für die 11. und 12. Klasse in den USA. Ich bin da mit XYZ drauf, das ist der Bruder von meiner Freundin X gewesen, die hab ich so und so kennengelernt. Wir sind aber als Gruppe zur Prom gegangen.“ (Liebe Eltern, bitte versteht es nicht falsch - versucht einfach mal, euch in diese Situation zu versetzen. Vielleicht wäre das Vergleichbar damit, dass eure Kinder in euren Fotoalben blättern und euch tausende Fragen zu eurer Jugend stellen: „Mama, wer ist der Typ da auf dem Foto? Woher kanntest du den? Warum musstest du Jungs immer erst vorstellen? Was habt ihr so auf Dates gemacht? Wie hast du damals mit Opa und Oma Weihnachten gefeiert? Was waren typische Geschenke? Was gab es immer so bei euch zu Essen? Was ist denn Salzbrotsuppe?“ - Und jetzt stellt euch Bitte vor, dass die Freundin eurer Tochter, Euer Sohn, Euer Mann, Eure Eltern, Eure Freunde, Eure Arbeitskollegen euch genau diese Fragen noch einmal stellen - alle einzeln, leicht variiert, innerhalb einer sehr kurzen Zeit, z.b. anlässlich eures runden Geburtstages. - Ich bin sicher, ihr wärt begeistert. Und würdet kein einziges Mal sagen oder denken: „Geht dich nichts an / Hab ich gerade keine Lust, was dazu zu sagen.“ :wink:

Ich hoffe, ihr gewinnt so einen kleinen Einblick in all die „egoistischen“ Kinder, von denen einige anscheinend denken, dass sie herangezogen wurden.

Viele Grüße von Wiebke!

Super Beitrag, Wiebke.
So aehnlich sah mein Alltag auch aus, nur das ich um 5 aufstehen musste, weil wir um 6.15 Uhr bereits Running und Weight Training hatten (und nach dem Unterricht dann Softball Practice, wohlgemerkt) :smiley: Ob man nun grade keine Zeit und Energie zum Emails schreiben hat, oder einfach mal nicht wieder die gleiche Leier erzaehlen moechte… es ist ganz sicher kein “gestoertes Sozialverhalten” und auch kein unglaublicher Egoismus.

Fuer mich war es darueber hinaus eine gute Sache, dass ich mein Austauschjahr SELBST organisiert habe, ich verstehe ja das Eltern neugierig sind aber der Wunsch ist ja meistens nicht nur ins Ausland zu gehen, sondern mehr Selbststaendigkeit. Ja, man trennt sich ganz bewusst fuer ein Jahr von der Familie, weil es eine gute Erfahrung ist vielleicht mal nicht taeglich oder woechentlich zu reden - danach weiss man dann meist, was man aneinander wirklich hat und schaetzt das auch mehr! Grade mit 16 hat man, selbst in der tollsten Beziehung, nicht immer “Bock” auf die Eltern. Denn die koennen auch anstrengend, nervig und restriktiv sein, auch wenn die Elternseite das in dem Moment nicht so sieht und nur das Beste fuers Kind will…
Abstand bringt einen oft enger zusammen.

So gesehen finde ich, relativiert sich das “gestoerte Sozialverhalten” des durchschnittlichen Teenagers im Ausland schon wieder etwas.

Wiebkes Beitrag mag zwar so ungefähr das Leben wiederspiegeln, aber hier war auch nicht von täglichen 3seitigen Mails auf gegenseitiger Basis die Rede! Wir wollen doch gar nicht mehr, als dass sie sich kurz mal melden, damit wir wissen, dass es ihnen gut geht. Und ab und an mal ein paar Fotos. Einfach wissen, dass sie mit ihrer Gastfamilie klar kommen und/oder Freunde finden oder haben.
Ihr müsst nicht gleich immer übertreiben.
Und von wegen das ATJ selbst organisieren:
Man kann doch einem 15jährigem Kind nicht allein die Wahl der Organisation und des Landes überlassen. Wir Eltern haben doch einen ganz anderen Blick auf die Sache, würden uns erst informieren und die Kosten spielen natürlich auch eine grosse Rolle.

Viele Grüsse

Kirsten

@Wibke
Also wirklich, was sollte das denn sein?
Kein Mensch hat von täglichen dreiseitigen mails gesprochen! Völlig aus der Luft gegriffen, für die hiesige Diskussion!
Im übrigen würde ich mich als Gastmutter wundern, wenn mein Gastkind - um die Übertreibung fortzusetzen - monatelang keine Zeit finden würde, um Kontakt zu seinen Eltern zu halten. Da würde ich mir wohl Gedanken machen über das “gestörte soziale Verhalten” in dieser Familie.
Ganz davon abgesehen, ging es ursprünglich darum, dass die Kinder nach der Rückkehr nichts erzählen wollen.
Und da kann dann ja wohl keine Rede mehr davon sein, dass sie “die ihnen gebotenen Chancen ausnützen wollen”, oder?
Und selbst wenn ein ATS rund um die Uhr vom Scheitel bis zu Sohle in das neue Leben eintaucht… kannst du mir nicht erzählen, dass keine Zeit bleibt um nach Hause zu berichten, wie es bei ihm/ihr läuft.

Ich verstehe schon, dass du dieses überspitzte Posing geschrieben hast, um uns Eltern klarzumachen, dass unsere Sicht der Dinge möglicherweise nicht die einzig richtige ist. Diese Übertreibungen konnten allerdings nicht überzeugen.
Lg
Birke

@Kirsten: Ich habe mich auch erst informiert UND Kosten verglichen. Meinem Vater DANN alles vorgetragen und erzaehlt und er meinte, ich weiss viel mehr darueber und koenne daher ja auch eigentlich entscheiden was ich fuer mich am besten finde. Hab ich getan. Noch dazu habe ich selber eine Gastfamilie gefunden. Oh wunder oh staun, da war ich 14 und 15 und es hat alles wunderbar funktioniert. Mit 15 ist man kein Kleinkind mehr :slight_smile: Meine Mutter meinte frueher immer: Wenn du sowas machen willst, dann zeig uns erstmal dass du dich ueberhaupt ausreichend informiert hast und stell uns nicht vor einen Reisewunsch.
Und so sehe ich das halt auch - zu sagen “Hey, Mama, ich will ein Jahr ins Ausland, kannst du dich bitte nach deinem Arbeitstag noch hinsetzen und durchs Internet surfen um rauszufinden welches die beste Organisation dafuer ist?” finde ich VIEL egoistischer… Vor allem weil ja nicht jeder zuhause ist und ueberhaupt die ZEIT dafuer hat sich damit sehr viel und genau auseinanderzusetzen!

Ich finde es zwar schon verständlich, dass Eltern gern ab und zu ein paar Fotos und ne kleine Mitteilung haben wollen. Sie machen sich halt Sorgen!

Aber zu bedenken ist, dass sie auf jeden Fall die Ersten sind, die erfahren wenn etwas NICHT in Ordnung ist!
Entweder vom ATS selber ( ein bischen jammern macht vieles leichter :stuck_out_tongue: )
oder in ganz schlimmen Fällen von den Gasteltern.

Insoweit ist keine Nachricht doch immer auch eine gute Nachricht.:smiley: